Aktuelle Themen 2025
GEWALTSCHUTZ
Gewaltschutz für Frauen und Kinder
Strukturen stärken, Verpflichtungen einlösen
Gewalt gegen Frauen bleibt eine der gravierendsten Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit. Die „Istanbul‑Konvention“ verpflichtet Bund und Länder dazu, verlässliche Strukturen und ausreichende Finanzierung für Prävention und Bekämpfung von geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt gegen Frauen sicherzustellen. Sie macht deutlich: Gewaltschutz ist kein freiwilliges Angebot, sondern eine menschenrechtliche Verpflichtung der öffentlichen Hand. Frauen und ihre Kinder brauchen frühzeitige Unterstützung, Schutzräume und unabhängige Fachberatung – unabhängig von Einkommen, Aufenthaltsstatus, sozialem Hintergrund oder Wohnort.
Mit der Verabschiedung des Gewalthilfegesetzes 2025 hat Deutschland nun erstmals einen bundesweiten Rechtsanspruch auf kostenfreie Beratung und Schutz für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder geschaffen. Es zielt auf den Ausbau von Beratungsstellen und Frauenschutzplätzen ab, um bis 2032 eine bedarfsdeckende Infrastruktur zu sichern, unterstützt durch Milliardeninvestitionen des Bundes.
Die Diakonie hat im Rahmen einer Stellungnahme der LIGA Berlin und diversen politischen Gesprächen dazu beigetragen, dass die geplanten Kürzungen im Bereich „Frauen und Gleichstellung“ im Rahmen der Berliner Haushaltsverhandlungen für 2026/27 nicht nur nicht umgesetzt, sondern auch weitere Mittel zur Verfügung gestellt wurden.
Auch im Land Brandenburg haben wir uns mit den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege dafür eingesetzt, die Finanzierung der Schutz- und Beratungsangebote verlässlich zu sichern. Allein 2024 registrierte das Land 6.790 Fälle häuslicher Gewalt – ein Plus von 7,4 % – und 1.355 Betroffene konnten aus Kapazitätsgründen nicht aufgenommen werden.
Wir blicken mit Sorge auf die kommenden Jahre. Trotz der zusätzlichen finanziellen Mittel könnte es schwierig werden, diese vollständig abzurufen, weil der dringend notwendige Ausbau der Strukturen nicht im erforderlichen Tempo erfolgen kann. Besonders in Berlin stellt die akute Knappheit geeigneter Immobilien eine zentrale Hürde dar: Neue Schutzplätze können nur geschaffen werden, wenn sichere, bezahlbare und barrierearme Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Auch zusätzliche Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden ist eine Herausforderung.
So droht ein paradoxer Effekt: Es gibt endlich mehr Geld – aber die strukturellen Voraussetzungen, um dieses Geld schnell und wirksam in Schutzräume, Beratungsstellen und Fachstrukturen umzusetzen, wachsen nicht in gleichem Maße mit. Für die Diakonie heißt das: Wir brauchen verlässliche, mehrjährige Planbarkeit sowie eine aktive politische Unterstützung bei der Bereitstellung von Immobilien und Räumen. Nur so kann der rechtliche Anspruch auf Schutz, wie ihn „Istanbul‑Konvention“ und Gewalthilfegesetz formulieren, in der Realität umgesetzt werden.
Ina Zimmermann, Arbeitsbereich Existenzsicherung und Integration
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STUBE - Studienbegleitprogramm
Dialograum internationaler Perspektiven in herausfordernden Zeiten
Das Studienbegleitprogramm der Diakonie
Im Jahr 2025 gestaltete STUBE Berlin-Brandenburg, das STUdienBEgleitprogramm der Diakonie, erneut vielfältige Lern- und Begegnungsräume für internationale Studierende aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. In Seminaren und Workshops setzten sich die Teilnehmenden mit Fragen sozialer und ökologischer Gerechtigkeit, Klimafragen, globalen Zusammenhängen, Konfliktlösungen und Frieden auseinander. In herausfordernden Zeiten bot STUBE einen lebendigen Dialograum, in dem unterschiedliche Perspektiven aufeinandertrafen, voneinander gelernt wurde und globale Verantwortung gemeinsam reflektiert werden konnte.
Neben den Referent:innen-Beiträgen präsentierten Studierende Themen aus ihren Herkunftsländern. So wurden globale Zusammenhänge greifbarer und zugleich der Austausch unter den Studierenden sowie ihre Rolle als Multiplikator:innen interkulturellen Lernens gestärkt.
Zu den Highlights gehörte das viertägige Seminar „Stärkung interkultureller Kommunikations- und Konfliktlösungskompetenzen“ in Wallmow (Brandenburg). Die Teilnehmenden erprobten praxisnah Methoden zur Konfliktlösung und Friedensbildung. Die Unterbringung bei Gastfamilien sowie vorbereitete Gespräche mit Dorfbewohner:innen boten Einblicke in den Alltag, ermöglichten eigene Beiträge und das Kennenlernen verschiedener Perspektiven.
Ein weiteres Seminar „Konfliktlösung und Frieden durch Mediation und Gewaltfreie Kommunikation“ vertiefte die Verbindung zwischen persönlicher Konfliktlösungskompetenz und globalen Friedensprozessen. Ein anschließendes Begegnungsformat ermöglichte einen generations- und gesellschaftsübergreifenden Dialog zu Geschlechterrollen und gesellschaftlichem Wandel.
Weitere Beispiele für die Vielfalt der STUBE-Seminare waren „Die Zukunft der Meere“, „Klimawandel und Anpassungsstrategien“ sowie globale Nachhaltigkeit. Vielfältige Kooperationen mit Institutionen und Projekten wie mit STUBE Nord, dem Theologischen Konvikt und der Evangelischen Studierendengemeinde Berlin erweiterten die Lernräume und stärkten den Austausch zwischen internationalen und deutschen Studierenden.
Diese Begegnungen, eigene Beiträge und die Vernetzung machten auch 2025 den interkulturellen Dialog erlebbar – ein zentraler Aspekt, der STUBE als Plattform für gemeinsames Lernen und Reflektieren prägt. Gerade in herausfordernden Zeiten bestätigt dies die Bedeutung von STUBE als Raum, in dem internationale Perspektiven zusammenkommen, Verständnis gefördert wird und gemeinsam über gesellschaftliche Verantwortung reflektiert werden kann.
Esteban Chávez Guevara
Referent STUBE Berlin-Brandenburg
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Kontaktieren Sie STUBE: https://stube-bb.de/de/
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BROT FÜR DIE WELT
Weltweit Verantwortung lernen – vor Ort gestalten
Unsere Brot für die Welt-Bildungsarbeit wirkt
Ein Höhepunkt im Jahr 2025 war die Reise der Referent:innen für Ökumene nach Peru. Aus Interviews und Begegnungen mit Menschenrechts- und Klimaaktivistinnen, indigenen Frauen sowie ökologisch wirtschaftenden Kleinbäuerinnen und -bauern entsteht jetzt neues Bildungsmaterial zum Thema „Buen Vivir – Was ist genug?“. Beim Besuch unserer Partnerorganisationen wurde deutlich, wie entscheidend Gemeinschaft und Solidarität für Klimaanpassung, Ernährungssicherheit und Wassermanagement sind. In den Anden und in Lima, der zweitgrößten Wüstenstadt der Welt, hat jeder Tropfen Wasser existenzielle Bedeutung. Mit Kreativität entstehen angepasste Lösungen, wie einfache Tröpfchenbewässerung aus recycelten Stiften. Zugleich bewahren Landwirt:innen eine Vielfalt von mehr als 180 Kartoffelsorten: ein starkes Zeichen für Resilienz und Hoffnung.
Im Projekt „Reli fürs Klima“, gemeinsam mit Religionslehrer:innen, dem AKD und Brot für die Welt, entwickelten wir neues Unterrichtsmaterial zu nachhaltiger Ernährung und Klimagerechtigkeit. Permakultur und Schulgärten verbinden praktisches Lernen mit der Bewahrung der Schöpfung und stärken Verantwortungsbewusstsein.
Unsere Bildungsarbeit für nachhaltige Entwicklung war auch in 2025 vielfältig: Besuche bei Konfirmand:innengruppen in Berlin und Brandenburg, in Seminaren der Freiwilligendienste sowie Gespräche mit Senior:innengruppen. Im Mittelpunkt standen globale Solidarität und die Frage, wie wir weltweit Verantwortung übernehmen können.
Beim Gemeindekirchenratstag des ökofairen Kirchenkreises Teltow-Fläming entwickelten wir Ideen für nachhaltig gestaltete Gemeindefeiern. Mit ganz konkreten Anregungen konnten wir zeigen, wie kirchliches Leben ressourcenschonend gestaltet werden kann.
Zahlreiche Schulbesuche, vor Ort und im immersiven Weltraum, griffen Themen wie Klimagerechtigkeit auf und ermutigten zu eigenem nachhaltige Wirken. Auch das Umweltfestival Berlin bot wieder viele gute Gespräche und Impulse.
Beim Festessen in Werder begaben wir uns auf eine Reise “auf den Spuren des Brotes“: Kareen aus Sambia berichtete von Trockenheit, Starkregen und der landwirtschaftlichen Situation in ihrem Land sowie von ihrem Lieblingsgericht aus Mais. Deutlich wurde: Das tägliche Brot sieht weltweit unterschiedlich aus. Anschließend probierten die Teilnehmenden Spezialitäten aus verschiedenen Regionen und backten selbst Brot.
Das Jahr fand seinen abschließenden Höhepunkt in einer inklusiven Bildungswoche zum Thema Wasser, die mit dem Eröffnungsgottesdienst der 67. Aktion im Oberlinhaus in Potsdam mündete. Die Woche stand für Gemeinschaft, Teilhabe und Engagement für eine gerechtere Welt mit allen Sinnen. Sie bot spannende Einblicke in die Arbeit des Oberlinhauses und machte vor allem die besonderen Menschen und das lebendige, inklusive Miteinander vor Ort erlebbar.
Christiane Albrecht
Referentin für Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe
Für Anfragen erreichbar unter 030 820 97-203, Albrecht.C@dwbo.de
Brot für die Welt
Jahr für Jahr beweisen die Menschen in Berlin und Brandenburg, dass sie trotz der vielen globalen Krisen solidarisch an der Seite der Schwächsten weltweit stehen und sie unterstützen möchten. Unter dem Motto »Kraft zum Leben zu schöpfen – gemeinsam für Wasser, Ernährungssicherung und Klimagerechtigkeit« ist auch 2024/2025 die Spendenbereitschaft in der Region erneut gestiegen: Die Projekte von Brot für die Welt und ihren Partnerorganisationen in mehr als 90 Ländern wurden mit insgesamt 4.001.001,40 Euro gefördert.
Mehr unter: www.diakonie-portal.de/themen/diakonie-weltweit/brot-fuer-die-welt
Sie haben Rückfragen?
Kontaktieren Sie direkt Brot für die Welt im Diakonischen Werk.
Zum Bild: Buen Vivir im Heiligen Tal (Peru)
Im Urubamba-Tal in den Anden steht Buen Vivir für ein Leben im Einklang mit Natur und Gemeinschaft. Wir haben dort ein Projekt der Partnerorganisation Arariwa in der Gemeinde Janae Chuquibamba besucht. Die Region ist stark vom Klimawandel betroffen, besonders durch Wasserknappheit. Partnerorganisationen fördern Menschenrechte, Teilhabe, Frauenstärkung und gerechte Wasserverteilung sowie Projekte zu Aufforstung, Ernährungssicherheit und dem Erhalt traditioneller Kartoffelsorten. Diese Erfahrungen verbinden wir mit Fragen aus Brandenburg: etwa zu Wasser, Klimaanpassung und nachhaltigem Leben und machen sie in Bildungsarbeit und Workshops mit Interviews und Videos erlebbar.
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Projekt Diakonie³ - Wissen sichern, agil in die Zukunft
Wie können Landesdiakonie in Zeiten von Wandel und Krisen effektiv agieren? Komplexe Herausforderungen kennen keine Bereichsgrenzen, bewährte Lösungen benötigen ständige Anpassung. Um unsere Stärken zu erhalten und Digitalisierung sowie New Work optimal zu nutzen, gehen wir mit Diakonie³ den Weg eines Kulturwandels hin zu mehr bereichsübergreifender, agiler Zusammenarbeit. Im Mittelpunkt stehen Kompetenzentwicklung für digitale und agile Arbeitsweisen, eine vernetzte Organisationskultur sowie die partizipative Entwicklung eines Wissensmanagements.
2025 stand die Förderung agiler Kompetenzen im Fokus. Im Rahmen des KEP25 (Kompetenzentwicklungsprogramm 2025) boten wir 30 Kurse innerhalb der Themengebiete Wissensmanagement, Zusammenarbeit und Unternehmenskultur an (zum Beispiel Arbeitsorganisation, Feedbackkultur, Veranstaltungsplanung). Die Angebote richteten sich an alle Mitarbeitenden unserer Diakonie sowie der Träger unserer Innovationspartnerschaft und wurden durchweg positiv bewertet.
Auch Arbeitsstrukturen und interne Kommunikation wurden weiterentwickelt: Die Montagsrunde ist als monatliches digitales Austauschformat für sämtliche Verbandsmitarbeitende etabliert. Den Umstieg auf MS365 unterstützten wir projektbegleitend, um die Einführung neuer digitaler Abläufe zu erleichtern. Ein neuer Onboarding-Prozess wurde gemeinsam entwickelt und abgestimmt, um neuen Mitarbeitenden einen optimalen Einstieg zu gewährleisten.
Ein besonderer Höhepunkt war der Mitarbeitenden-Weiterbildungstag („Kompass-Tag“) am Buß- und Bettag 2025. Nach einer Keynote zum Leitbild durch Frau Dr. Schoen wurde im World Café über die verschiedenen orientierenden Elemente unseres Hauses zum Gespräch eingeladen (Leitbild, MAV, Verhaltenskodex, Familienorientierung, AG Vielfalt, AG Nachhaltigkeit). Der Nachmittag widmete sich dem gemeinsamen Selbstverständnis und Ergebnissen eines Strategie-Workshops, abgerundet durch ein kreatives Playback-Theater. Die Resonanz war sehr positiv, die Veranstaltung stärkt nachhaltig die gemeinsame Ausrichtung.
2026 steht die Abschlussphase von Diakonie³ an. Im Mittelpunkt steht der Transferprozess: Evaluation, Ergebnissicherung und die nachhaltige Verankerung der gewonnenen Erkenntnisse in der Organisationsentwicklung.
Jonas Korn
Projektleitung Diakonie³
Das Projekt »Diakonie³ – Wissen sichern, agil in die Zukunft« wurde im Herbst 2021 initiiert, ist im September 2023 gestartet und läuft bis August 2026. Es wird im Rahmen des ESF Plus-Programms »rückenwind³ für Vielfalt, Wandel und Zukunftsfähigkeit in der Sozialwirtschaft« durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
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