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Stadt bilden, Wirtschaft stärken!
Integration in Berlin

19.02.2026

Berlin ist eine Stadt der Vielfalt: Menschen aus über 180 Nationen leben hier, in Neukölln hat fast jede zweite Person eine familiäre Zuwanderungsgeschichte. Diese Vielfalt prägt das Stadtbild und bereichert das gesellschaftliche Leben. In der Veranstaltung „Stadt bilden, Wirtschaft stärken! Integration in Berlin“ unserer Live-Podcast-Reihe ZUKUNFT BERLIN diskutierten Bürgerinnen und Bürger am 17. Februar 2026 im Haus der Begegnung des Diakoniewerks Simeon in Neukölln, wie Integration gelingen kann und welche Verantwortung Stadtgesellschaft, Politik und Wirtschaft tragen, darüber

Auf dem Podium suchten Marcel Hopp (Sprecher für Bildung, Wissenschaft und Forschung der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus), Katharina Senge (Integrationspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus), Antonia Petersen (Arbeitsmarktpolitik, Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg), Dr. Oliver Unglaube (Co-Geschäftsführer Diakoniewerk Simeon) und Katina Schubert (Sprecherin für Soziales, Inklusion, Migration, Partizipation und Antidiskriminierung der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus) nach Lösungensansätzen. Moderiert wurde der Abend von Tagesspiegel-Herausgeber Lorenz Maroldt. Die stellvertretende Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Neukölln, Pfarrerin Claudia Mieth eröffnete die Diskussion und wünschte den Teilnehmenden einen bewegenden und inspirierenden Austausch.

Integration als gemeinsame Aufgabe

„Berlin ist längst eine postmigrantische Gesellschaft“ darauf wies Marcel Hopp (SPD) gleich zu Beginn hin. Zuwanderung sei kein neues Phänomen, sondern Teil der Realität der Stadt. Entscheidend sei, „wie wir die Geschichten des Gelingens stärker erzählen“.

Katharina Senge (CDU) teilte diese Position und erklärt, dass neben Problemen, vor allem auch die Erfolge stärker kommuniziert werden sollten.

Dr. Oliver Unglaube vom Diakoniewerk Simeon machte deutlich, dass insbesondere die Finanzierung sozialer Angebote zunehmend an Grenzen stößt. „Oft geht es nicht darum, welche Mittel wir bekommen, sondern welche Eigenmittel wir aufbringen müssen. Das ist eine dauerhafte Herausforderung. Erste Träger denken schon darüber nach, ob sie sich aus dem Bereich zurückziehen müssen.“

Antonia Petersen (Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg) hob hervor, dass Integration auf dem Arbeitsmarkt bereits Fortschritte zeigt: Die Beschäftigung von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit sei seit 2020 um 55 Prozent gestiegen. Gleichzeitig bleibe insbesondere der Wohnraum eine zentrale Herausforderung

Schneller ankommen – weniger Bürokratie

Ein zentrales Thema des Abends war die Frage, wie Ankommen und Teilhabe schneller gelingen können. Katharina Senge (CDU) betonte, dass insbesondere Verwaltungsverfahren beschleunigt werden müssten: „Die Schnelligkeit im Ankommen ist eines der drängendsten Probleme. Bürokratie dauert zu lange.“

Auch beim Thema Sprache wurde deutlich: Digitale Übersetzung und Künstliche Intelligenz können unterstützen, ersetzen jedoch nicht das persönliche Gespräch. Sprachmittlung und Begleitung zu Behörden bleiben unverzichtbar. Die Migrationsdienste der Diakonie leisten hier wichtige Arbeit, indem sie Menschen bei Behördengängen unterstützen und Orientierung geben.

Aus dem Publikum unterstrich Sarah Nagel, Jugendstadträtin in Neukölln (Die Linke), die Bedeutung niedrigschwelliger und mehrsprachiger Angebote. Mit den FamilienServiceBüros habe man gute Erfahrungen gemacht, da dort Beratung und Unterstützung unter anderem auch auf Türkisch und Kurdisch angeboten werden.

Wohnen als Schlüssel zur Integration

Große Einigkeit bestand beim Thema Wohnraum: Bezahlbarer Wohnraum ist eine der zentralen Voraussetzungen für gelingende Integration. Ziel müsse es sein, Wohnraum für alle zu schaffen – für Geflüchtete ebenso wie für bereits hier lebende Menschen.

Auf dem Podium und im Publikum war unstrittig, dass sozial gemischte Quartiere ein wichtiger Schlüssel für gelingende Integration sind. Katina Schubert (DIE LINKE) unterstützte die Forderung von Marcel Hopp (SPD) nach einer Quote von 30 Prozent Sozialwohnungen im Neubau. Eine solche Regelung würde insbesondere Menschen mit geringem Einkommen – mit und ohne Migrationsgeschichte – den Zugang zu Wohnraum erleichtern.

Bildung und frühe Förderung stärken

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Bildung und Teilhabe. Dabei wurde deutlich: Integration beginnt früh. Das Diakoniewerk Simeon engagiert sich beispielsweise mit über 90 Stadtteilmüttern – dem größten Träger dieses Angebots in Berlin. Sie unterstützen Familien bei Fragen zu Bildung und Gesundheit und stärken den Zugang zu Angeboten vor Ort. Dr. Unglaube kritisierte jedoch die befristete Finanzierung solcher Projekte: „Wir brauchen verlässliche, langfristige Strukturen statt immer neuer Projektlogik“, so sein Appell. Auch bei schulischer Integration wurde über Wege diskutiert, Übergänge aus Willkommensklassen ins Regelsystem zu stärken und langfristige Parallelstrukturen zu vermeiden.

Integration als Chance für den Arbeitsmarkt

Dass Integration auch wirtschaftlich notwendig und erfolgreich sein kann, betonte Antonia Petersen von den Unternehmensverbänden Berlin-Brandenburg. In den kommenden zehn Jahren werde Berlin rund 400.000 zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland benötigen. Gleichzeitig werde die internationale Anwerbung von Fachkräften schwieriger. Umso wichtiger sei eine funktionierende Integration vor Ort – Kürzungen in diesem Bereich seien daher ein fatales Signal.

Als erfolgreiches Beispiel nannte Petersen das Bundesprogramm „Jobturbo“, das Sprachförderung und Arbeitsmarktintegration verbindet, derzeit jedoch nicht weiter finanziert wird. Sie regte an, ein vergleichbares Programm auf Landesebene aufzusetzen. Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmenden eine schnellere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse sowie neue Ansätze wie eine „Work-and-Stay-Agentur“, die Verfahren beschleunigen und Unternehmen stärker einbinden könnte.

Integration ist mehr als Spracherwerb – sie bedeutet Chancengleichheit, gesellschaftliche Teilhabe und das Gefühl, dazuzugehören. Orte des Zusammenhalts, wie sie die Diakonie mit ihren Begegnungsstätten, Beratungsangeboten und Projekten schafft, bleiben dafür unverzichtbar.

Die Diskussion im Haus der Begegnung zeigte: Vielfalt kann verbinden – wenn Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen.

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Ihre Ansprechpartner

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Leiter Politik und Kommunikation Pressesprecher

030 82097110 0173 6033322

Erik Wagner

Referent Politische Kommunikation

030 82097305 0173 2352633

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