Niemanden zurücklassen
Soziale Spaltung in Berlin und Brandenburg wächst: Diakonie sieht Handlungsbedarf für armutsfeste Absicherung und stärkere soziale Infrastruktur
30.04.2026
Anlässlich des Tags der Arbeit richtet die Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz den Blick auf die Situation von Menschen ohne Erwerbsarbeit und prekär Beschäftigten. Vor dem Hintergrund steigender Armut, geplanter Einschnitte in der sozialen Infrastruktur und der Reform der Grundsicherung plädiert der Verband für eine konsequente Stärkung sozialer Dienste, verlässliche Absicherungssysteme und eine differenziertere Wahrnehmung von Armut und sozialer Benachteiligung.
„Der Tag der Arbeit ist ein Tag der Solidarität auch mit denjenigen in der Hauptstadtregion, die nicht erwerbstätig sind“, sagt Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen. In Berlin gilt rund jede fünfte Person als armutsgefährdet; Kinder- und Altersarmut liegen weiterhin über dem Bundesdurchschnitt. Viele alleinerziehende Familien und Eltern mit Migrationsgeschichte sind arm trotz Arbeit, weil das Einkommen nicht zum Leben reicht. Steigende Wohn- und Lebenshaltungskosten verschärfen die Situation vieler Haushalte zusätzlich. In Brandenburg zeigen sich strukturelle Defizite etwa bei der Beratung und Versorgung wohnungsloser Menschen oder bei sozialen Beratungsangeboten. „Hier spielt die soziale Infrastruktur eine zentrale Rolle. Beratungsstellen und niedrigschwellige Unterstützungsangebote ermöglichen maßgeblich soziale Teilhabe sowie Prävention von Armut, Überschuldung und Wohnungslosigkeit, und stabilisieren früh individuelle Notlagen. Eine verlässliche Refinanzierung der bestehenden Angebote sowie die Schaffung von Angeboten in unterversorgten Regionen können ihre Wirksamkeit sichern und verstärken.“
Mit Blick auf die Grundsicherung betrachtet die Diakonie Planungssicherheit und Existenzsicherung als zentrale Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe. „Leistungskürzungen und verschärfte Sanktionen bauen soziale Sicherheit in allen Lebensbereichen ab“, sagt Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen. „Es braucht Absicherungskonzepte, die Armut wirksam verhindern, Übergänge in Arbeit unterstützen und die Lebensrealitäten der Betroffenen berücksichtigen. Dazu gehören eine realitätsgerechte Bemessung der Leistungen, der Erhalt individueller Fördermöglichkeiten sowie Beratungsstrukturen, die Vertrauen schaffen und Orientierung bieten.“
Träger und Einrichtungen der Diakonie, darunter das Berliner Arbeitslosenzentrum (BALZ) oder die Beratungsstelle der Diakonie Niederlausitz in Cottbus, erleben täglich, wie sich sozialpolitische Rahmenbedingungen auf die Lebensrealitäten von Menschen auswirken. Sie berichten von wachsender existenzieller Unsicherheit und zunehmender gesellschaftlicher Ausgrenzung. Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen: „Erwerbsarbeit ist ein zentraler Schlüssel zu gesellschaftlicher Teilhabe. Sie steht jedoch nicht allen Menschen gleichermaßen offen. Erkrankungen, Care-Arbeit oder biografische Brüche führen häufig zu Phasen der Erwerbslosigkeit.“ Zugleich zeige sich, dass insbesondere prekäre Beschäftigung nicht zuverlässig vor Armut schütze. „Umso wichtiger sind passgenaue Unterstützungsangebote und ein Arbeitsmarkt, der unterschiedliche Lebenslagen berücksichtigt.“
Hintergrund Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
Das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist ein Verband der Freien Wohlfahrtspflege. Als Dach- und Spitzenverband vertritt das Werk ca. 380 Träger mit 1.900 Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsdiensten in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen. Gemeinsam mit ca. 52.000 Mitarbeitenden engagiert sich das Diakonische Werk für Teilhabe und Vielfalt und setzt sich im Sinne der Nächstenliebe auf landes- und kommunalpolitischer Ebene für benachteiligte und ausgegrenzte Menschen ein.
Pressekontakt
Sebastian Peters
Leiter Politik und Kommunikation Pressesprecher
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