Auf dem Bild sind Geldscheine in Ketten zusehen.
© Aktionswoche Schuldnerberatung der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV)
Woche der Schuldnerberatung 2026

„Das Geld ist da, aber ich komme nicht ran“

Nicht funktionierender Pfändungsschutz gefährdet Existenzen

Schuldnerberatungsstellen der Diakonie in Berlin und Brandenburg stellen fest: der Zugang zum Existenzminimum bei Pfändungen scheitert oft an Fristen, Nachweisen und dem Freigabeprozess für einzelne Leistungen. Die Diakonie sieht im Zusammenspiel mit Banken, Ländern und Kommunen konkreten Nachbesserungsbedarf für wirksame Pfändungsschutz-Verfahren und eine bedarfsgerechte Beratungsinfrastruktur.

„Unsere Berater:innen hören immer wieder denselben Satz: Das Geld ist da, aber ich komme nicht ran“, sagt Janet Jerop Seurei, Diakonie-Referentin für Existenzsicherung. Wird ein Girokonto gepfändet, ist das Guthaben eingefroren und das Geld nicht mehr frei verfügbar. Erst die Umwandlung in ein Pfändungsschutz-Konto (P-Konto) ermöglicht den Zugriff auf das gesetzlich geschützte Existenzminimum, den sogenannten Freibetrag. „Das P-Konto spielt in nahezu jeder Beratung eine Rolle, insbesondere in der Erstberatung. Über kurz oder lang muss fast jede überschuldete Person ein Pfändungsschutzkonto einrichten“, sagt Janet Jerop Seurei, Diakonie-Referentin für Existenzsicherung.

Diakonische Träger betreiben mit 48 Schuldner- und allgemeine unabhängige Sozialberatungsstellen den Großteil dieser Beratungseinrichtungen. Sie berichten von regelmäßig verzögerten und verweigerten P-Kontoumwandlungen (bis zum Ausgleich des Dispositionskredits), nicht rechtzeitig berücksichtigten Freibeträgen, unklaren Abläufen bei ihrer Freigabe, fehlenden Ansprechpersonen bei den Banken - gerade bei onlinebasierten Kreditinstituten. “Für Betroffene bedeutet das: Sie sind mittellos, obwohl das Einkommen oder Sozialleistungen bereits auf dem Konto eingegangen sind. Miete, Energiekosten oder Ausgaben für das Lebensnotwendige können nicht rechtzeitig bezahlt werden. Das kann in der letzten Konsequenz zu Wohnungsverlust führen und es bleiben kaum Möglichkeiten, sich zu wehren.”, sagt Janet Jerop Seurei, Diakonie-Referentin für Existenzsicherung

„Wenn das gesetzlich geschützte Existenzminimum auf dem Konto eingeht, aber tagelang nicht verfügbar ist, erfüllt der Pfändungsschutz seinen Zweck nicht. Die Banken müssen sich an die geltende Gesetzeslage halten und die Verfahren so organisieren, dass Menschen rechtzeitig an ihr Geld kommen.”, sagt Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen. “Gleichzeitig müssen Bund und Land unterstützen: Neben klaren und praxistauglichen bundesgesetzlichen Rahmenbedingungen - etwa bei der einheitlichen Anwendung des Pfändungsschutzes für einzelne Sozialleistungen - muss die Beratungsinfrastruktur ausgebaut und langfristig gesichert werden. Eine rechtzeitige Beratung zu existenzsichernden Leistungen verhindert Ver- und Überschuldung.” 

Handlungsempfehlungen der Diakonie für wirksamen Pfändungsschutz und -prävention 
Was die Schuldnerberatung in Berlin und Brandenburg jetzt braucht 

Der allgemeine Beratungsbedarf ist in Berlin und Brandenburg weiter gestiegen. Gründe für finanzielle Krisen sind Wohnraumkosten, Trennung, Erkrankung und Einkommensarmut und -verlust. Derzeit sind in Berlin rund 305.000 Menschen und in Brandenburg rund 160.000 Menschen überschuldet.  

Mit einer Schuldnerquote von 10,01 Prozent liegt Berlin über dem Bundesdurchschnitt: „Gerade in einer wachsenden Stadt mit hohen Wohnkosten und sehr unterschiedlichen Lebenslagen braucht es eine langfristig finanziell stabile Beratungsinfrastruktur.“, sagt Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen.  

In Brandenburg liegt die Schuldnerquote mit 7,48 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig ist die Überschuldung in einzelnen Regionen deutlich höher als im Landesdurchschnitt. In Brandenburg an der Havel ist mit 12,34 % etwa jeder achte Einwohner überschuldet. „Brandenburg zeigt: gute Durchschnittswerte bedeuten nicht automatisch, dass alle Menschen gleichermaßen gut Unterstützung erfahren. Jede Kommune benötigt bedarfsgerechte Beratungs- und Unterstützungsangebote. Auch im ländlichen Raum haben Menschen Beratung verdient, bevor aus ihrer finanziellen Belastung eine existenzielle Krise wird. Das ist auch eine entscheidende Prävention für gesellschaftliche Verwerfungen und zusätzliche Belastungen des Landeshaushalts.“, sagt Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen.

Die Aktionswoche Schuldnerberatung der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) vom 15. bis 19. Juni 2026 macht unter dem Motto „Wie komme ich an mein Geld? – Wenn das P-Konto zum Problemkonto wird“ auf anhaltende Schwierigkeiten beim Zugang zum gesetzlichen Pfändungsschutz aufmerksam. Nach Angaben der AG SBV gibt es in Deutschland monatlich rund 300.000 bis 350.000 Kontopfändungen. 

Hintergrund Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz 
Das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist ein Verband der Freien Wohlfahrtspflege, der die 1.600 Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsdienste der evangelischen Kirchen in Berlin und Brandenburg vertritt, sich für Teilhabe und Vielfalt engagiert und sich im Sinne der Nächstenliebe für benachteiligte und ausgegrenzte Menschen einsetzt. In den Jahren 2023/24 hat die Diakonie die Federführung der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Land Berlin inne. 

Pressekontakt 

Sebastian Peters | Vanya Püschel 
Pressestelle Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz  
Tel.: 030 820 97 -110 / -111 
E-Mail: presse@dwbo.de 

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