Kältehilfe bietet keine nachhaltige Perspektive für obdachlose Menschen
28.04.2026
Am 30. April 2026 endet die aktuelle Kältehilfesaison und damit ein wichtiges Angebot für obdachlose Menschen. Die Mitglieder der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Berlin (LIGA Berlin) erklären dazu:
Oliver Bürgel, Federführer der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Berlin und Geschäftsführer des AWO Landesverbandes Berlin:
"Die Berliner Kältehilfe, als saisonales, niedrigschwelliges Angebot, verhindert jedes Jahr, dass Menschen erfrieren, mehr jedoch nicht. In ihrer derzeitigen Ausgestaltung kann sie keinen nachhaltigen Beitrag zur Lösung von Wohnungslosigkeit leisten. Mit der Begrenzung der Kältehilfe auf das Winterhalbjahr und dem jährlich wiederkehrenden Aufbau von Strukturen können die umfassenden Bedürfnisse von Menschen ohne Obdach nicht abgedeckt werden. Darüber hinaus kann die Berliner Kältehilfe nur begrenzt Daten zum Dunkelfeld der Obdachlosigkeit liefern und gewährleistet keinen strukturierten Übergang von Menschen aus der Kältehilfe in das Regelsystem der Wohnungsnotfallhilfe.“
Prof. Dr. Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin:
"Viele wohnungslose Menschen leben mit psychischen Erkrankungen – häufig unerkannt, unbehandelt und durch die Belastungen der Straße verschärft. Wenn jetzt zum Ende der Kältehilfe Schlafplätze wegfallen, steigen Stress, Angst und Krisenrisiken. Es braucht deshalb verlässliche, niedrigschwellige Unterstützung auch nach der Kältehilfe: eine bessere Ausstattung bestehender medizinischer Einrichtungen, mehr aufsuchende Angebote und eine bessere Verzahnung von Wohnungslosenhilfe und psychiatrischer Versorgung."
Dr. Ursula Schoen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz:
"Obdachlosigkeit ist für Frauen immer mit einem hohen Sicherheitsrisiko verbunden. Frauen auf der Straße sind besonders häufig Gewalt, sexuellen Übergriffen und Ausbeutung ausgesetzt. Ihr Schutz muss daher höchste Priorität haben. Wir brauchen in der Kältehilfe ausreichend und verlässliche Rückzugsmöglichkeiten und Schlafplätze. Wer keinen passenden Platz findet, bleibt auf der Straße oder begibt sich notgedrungen in Abhängigkeiten, um Schutz zu erhalten."
Catía Voßberg, Vorstandsvorsitzende des DRK-Landesverbandes Berlin:
„Unser DRK-Wärmebusteam hat herausfordernde Monate hinter sich. Wir hatten doppelt so viele Anrufe besorgter Bürger als im Vorjahr, tausende Kontakte zu hilfebedürftigen Menschen, von denen wir hunderte in schützende Notunterkünfte bringen konnten. Der Einsatz unserer vielen ehrenamtlichen Kräfte in 151 oft eisig kalten Nächten war für viele Menschen lebensrettend.“
Martin Hoyer, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin:
„Die größte Hürde für eine verlässliche Kältehilfe bleibt der Mangel an geeigneten Immobilien. Baurechtliche Vorgaben blockieren zudem schnelle Lösungen, so dass wir jedes Jahr aufs Neue improvisieren müssen – während obdachlose Menschen verlässliche Orte brauchen. Klar ist aber auch: Kältehilfe ist eine absolute Nothilfe. Nur wenn wir bezahlbaren Wohnraum sichern und langfristige Strukturen stärken, gelingt es uns, Obdachlosigkeit wirklich zu überwinden.“
Kältehilfesaison 2025/2026
Mit der Berliner Kältehilfe schützen soziale Träger der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege (LIGA Berlin) und kirchliche Organisationen in Kooperation mit den Bezirken wohnungslose Menschen von Oktober bis April vor dem Erfrieren. Im Durchschnitt wurden in der Kältehilfesaison 2025/2026 täglich 1.067 Plätze zur Übernachtung für obdachlose Menschen zur Verfügung gestellt. Die durchschnittliche Auslastung lag bei 89,6 % mit durchschnittlich 956 Gästen. Die höchste Auslastung gab es im Februar 2026 mit 97,3 %, hier wurden 1.179 obdachlose Menschen mit Übernachtungsplätzen versorgt. In Berlin sind laut Statistik und ergänzender Berichterstattung mehr als 60.000 Menschen wohnungslos, ohne Obdach sind davon ca. 6.000 Menschen.
LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege
In der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege haben sich in Berlin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Landesverband Berlin (Federführung 2025/2026), die Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der Caritasverband für das Erzbistum Berlin, der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin, der DRK Landesverband Berliner Rotes Kreuz sowie die Jüdische Gemeinde zu Berlin zusammengeschlossen. In den sozialen Einrichtungen, Diensten und Projekten der LIGA sind in Berlin rund 107.000 hauptamtliche und etwa 53.000 ehrenamtliche Mitarbeitende tätig. Rund 150.000 Menschen sind zusätzlich persönliche Mitglieder in den Verbänden der LIGA Berlin, die wiederum ca. 1.200 Initiativen und Träger vertreten.
Kontakt
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