© Massiel Guillermo, AWO LV Berlin
Runder Tisch:

Zukunft des Ganztags in Berlin

07.09.2026

Am 2. September lud das Berliner Bündnis Qualität im Ganztag Vertreter*innen aus der Praxis, der Senatsbildungsverwaltung, der Deutschen Kinder‑ und Jugendstiftung, dem Landesschüler*innenausschuss sowie Politikerinnen von SPD, DIE LINKE und FDP zu einem Runden Tisch ein. In einem lebendigen Austausch wurden Chancen, Herausforderungen und die notwendigen Rahmenbedingungen für einen gelingenden Ganztag in Berlin diskutiert.

Deutlich wurde, dass der Ganztag wesentlich dazu beiträgt, Berliner Schulen als Lern‑ und Lebensraum weiterzuentwickeln und die Chancengerechtigkeit für Kinder aus sozial benachteiligten Familien zu verbessern. Was den Zugang zum Ganztag betrifft, wurde in den letzten Jahren schon einiges erreicht: Von der Abschaffung der Bedarfsprüfung über die Gebührenfreiheit bis zur dritten Jahrgangsstufe bis zum kostenfreien Mittagessen in der Grundschule. Mit dem Berliner Bildungsprogramm für die offene Ganztagsgrundschule, den Qualitätsstandards für die inklusive Berliner Ganztagsschule sowie dem Leitbild Jugendhilfe-Schule wurde ein rechtlich verankerter qualitativer Rahmen vorgelegt. Es bestand Einigkeit, dass diese soliden Grundlagen erhalten und weiter gestärkt werden müssen, damit ganztägige Bildung pädagogisch wirksam bleibt und tatsächlich allen Kindern zugutekommt.

Aus der Praxis wurden Verbesserungsbedarfe aufgezeigt, vor allem ein verbesserter Personal-Kind-Schlüssel für die direkte Beziehungsarbeit mit den Kindern, zur individuellen Begleitung bei Förderbedarfen, bessere Raum‑ und Ausstattungsbedingungen (z. B. Hitzeschutz/Verschattung der Außengelände), Rückzugsräume für Schüler*innen sowie stärkere Beteiligung und Mitbestimmung. Petra Schuler vom Diakonischen Werk Steglitz und Teltow-Zehlendorf, die den Hort am Stadtpark leitet, betonte: „Ohne verlässliche gemeinsame Planungszeit zwischen Schule und Ganztagsträger bleiben gute Konzepte oft nur Absichtserklärungen. Was wir brauchen, ist ausreichende und verbindlich eingeplante Kooperationszeit für Schule und Ganztagsträger.“

Für das Bündnis Qualität im Ganztag ist der Personal-Kind-Schlüssel wesentlich für das, was im Ganztag geleistet werden kann. Die vorgestellte Kalkulation zeigt: Eine Verbesserung auf 1:15 würde jährliche Mehrkosten in Höhe von rund 145 Mio. Euro erfordern. Um das bereits vorhandene Fachpersonal auch bei rückgehenden Kinderzahlen zu halten, wäre mindestens ein Äquivalent von 1:20 notwendig. Die Strategie, die bestehenden Ressourcen durch Verbesserung des Personalschlüssels im System zu halten, stieß bei den anwesenden Politikerinnen auf Unterstützung.

Die Diskussionsrunde machte außerdem deutlich, dass für eine gelingende Umsetzung fachlicher Anforderungen regelmäßige Rückkopplungsschleifen nötig sind: unterschiedliche Formate und Kreise, die Praxis, Wissenschaft, Verwaltung und Politik verbinden. Das Bündnis kündigte an, das Format aus Politik‑Verwaltung‑Wissenschaft und Praxis weiterzuführen und eine Intensivierung der Beteiligung auch auf anderen Ebenen anzuregen.

Das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz ist Mitglied im Berliner Bündnis für Qualität im Ganztag und setzt sich hier für gute Rahmenbedingungen für den Berliner Ganztag ein.

Kontakt

Andrea Friedrich

Referentin für Qualität in Kita und Ganztag, Fachpolitische Interessensvertretung Berlin

030 82097228

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