Tag der Pflege: Mitarbeitende der Lafim-Diakonie bei der Kundgebung in Berlin
Tag der Pflege: Mitarbeitender der Lafim-Diakonie bei der Kundgebung in Berlin
Mitarbeitenden der Lafim-Diakonie haben sich am Internationalen Tag der Pflege an einer zentralen Demonstration in Berlin beteiligt. Gemeinsam mit zahlreichen Akteuren und Akteurinnen aus dem Pflegebereich setzten sie ein deutliches Zeichen für bessere Arbeitsbedingungen und eine nachhaltige Stärkung der Pflege in Deutschland.
Der Aktionstag stand 2026 unter dem klaren Motto „Pflegereform: nicht reden. Handeln!“ Die Mitarbeitenden der Lafim-Diakonie reisten dafür aus verschiedenen Einrichtungen an und brachten ihre persönlichen Erfahrungen aus dem Pflegealltag mit.
Pflege unter Druck – Alltag vieler Brandenburger
Die Demonstration macht auf eine Entwicklung aufmerksam, die viele Menschen in Brandenburg direkt betrifft - die Pflege wird zunehmend zur Herausforderung. Aktuell sind laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg in Brandenburg über 214.000 Menschen pflegebedürftig – und die Zahl steigt weiter. Gleichzeitig verschärft sich der Personalmangel deutlich.
Bis 2030 könnten laut einer im Auftrag des Sozialministeriums erstellten Studie bis 2030 rund 44.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt werden. Ein Großteil der Pflege findet zu Hause statt – häufig getragen von Angehörigen, die dabei an ihre Belastungsgrenzen kommen.
Pflege zu Hause wird für Angehörige zum existenziellen Risiko
Die Herausforderungen im Pflegealltag sind vielfältig. Dabei spielt die Zeit der Branche nicht gerade in die Karten. Wir leben in einer schnell alternden Gesellschaft, sodass der Bedarf an Pflegeplätzen immer größer wird. Trotz verbesserter Bezahlung und modernerer Personalbemessung stehen Pflegeeinrichtungen vor enormen Herausforderungen. Der demografische Wandel erhöht den Bedarf rasant, während Fachkräfte fehlen.
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sehen sich mit steigenden Eigenanteilen konfrontiert, die für viele existenzielle Risiken bedeuten. Die Auswirkungen sind längst im Alltag spürbar. „Für viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wird Pflege zum existenziellen Risiko“, so Eva-Maria Dressler, Geschäftsführung der Lafim-Diakonie für Menschen im Alter
Stimmung vor Ort: solidarisch und entschlossen
In Berlin zeigte sich eine Atmosphäre, die viele Beteiligte als beeindruckend beschreiben. Sie war geprägt von Zusammenhalt, Solidarität und dem gemeinsamen Willen zur Veränderung. „Die Leute waren alle sehr motiviert, sich für ihr Thema einzusetzen. Es gab Rufchöre und die Leute hatten die Möglichkeit, das Wort zu ergreifen und ihren Standpunkt klar zu formulieren“, sagt Sebastian Steinke-Hennig, Standortleiter des Evangelischen Seniorenzentrums Wilhelmsdorf der Lafim-Diakonie.
Besonders eindrücklich war die hohe Beteiligung und die Vielfalt der Pflegebranche. Beeindruckend war, dass sich mehrere hundert Teilnehmern für eine Sache stark machen – und zwar übergreifend, betont Sebastian Steinke-Hennig. „Es waren nicht nur Mitarbeiter von diakonischem Träger da, sondern auch Sanitäter der ASB oder die AWO. Manche sind sogar aus Thüringen angereist.“
Warum Pflegekräfte aus Brandenburg auf die Straße gehen
Viele Pflegekräfte erleben die Herausforderungen täglich – und wollten genau das sichtbar machen. „Wir müssen mitwirken können – die Politik soll nicht über uns, sondern mit uns entscheiden, damit mögliche Mehrbelastungen für die Mitarbeitenden und Träger vermieden werden“, betont Sebastian Steinke-Hennig:
Dabei richtet sich die Kritik klar an die politischen Rahmenbedingungen. „Reformen wirken – wenn sie umgesetzt werden“, sagt Eva-Maria Dressler. Ein grundlegendes Problem bleibt bestehen. Die Pflege sei strukturell benachteiligt – ihr fehle es bis heute an starke, durchsetzungsfähige Lobbyorganisationen, so Dressler weiter. „Eine geschlossene politische Stimme fehlt – im Gegensatz zu Ärzteschaft, Kliniken oder der Pharmaindustrie, deren Interessen Gehör finden und scheinbar finanzielle Priorität genießen.“
Internationalen Vergleich: Deutschland investiert weniger in die Pflege
Diese Ungleichheit zeige sich auch in der Finanzierung. Warum ist die gesetzliche Krankenversicherung großzügiger ausgestattet, während die Pflegeversicherung dauerhaft, als „Kostenproblem“ diskutiert wird? „Das deutsche Pflegesystem ist nicht überfinanziert – es ist unterfinanziert“, betont Eva-Maria Dressler. Mit Ausgaben von rund 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt Deutschland weiterhin deutlich unter dem Niveau vieler anderer Länder.
Im internationalen Vergleich werde das besonders deutlich. „Deutschland investiert weniger in Pflege als viele andere Länder – obwohl der Bedarf stetig steigt.“ Staaten wie Japan, Dänemark, Schweden, Belgien, Norwegen, die Niederlande oder die Schweiz investieren erheblich mehr in Pflege – nicht als Belastung, sondern als gesellschaftliche Zukunftssicherung.
Klare Forderungen an die Politik
Als diakonischer Träger versteht sich die Lafim-Diakonie nicht nur als Anbieter von Pflegeleistungen, sondern auch als Stimme für Pflegebedürftige, Angehörige und Mitarbeitende.
„Ich würde sagen, dass wir die Branche sind, die am meisten überprüft wird. Was gut ist, aber manchmal passiert das doppelt und dreifach. Das kostet wertvolle Zeit - Zeit, die am Ende für die Pflege und die Angehörigen fehlt“, sagt Sebastian Steinke-Hennig.
Das Ziel: Pflege langfristig sichern
Angesichts einer alternden Gesellschaft wächst der Handlungsdruck weiter. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Brandenburg wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Die Mitarbeitenden der Lafim-Diakonie haben mit ihrer Teilnahme in Berlin ein klares Zeichen gesetzt – für bessere Rahmenbedingungen und eine verlässliche Zukunft der Pflege.
„Pflege ist kein Nebenfeld der Sozialpolitik, sondern eine tragende Säule unseres Sozialstaats“, unterstreicht Eva-Maria Dressler. Der Internationale Tag der Pflege macht dabei deutlich, dass der Tag der Pflege kein Symboltag ist, sondern ein Auftrag. „Pflegereform heißt, Erfolge sichern, Fehlstellen beheben und endlich handeln – nicht weiterreden.“ Zur gemeinsamen Kundgebung in Berlin haben der DEVAP und der Evangelische Verband für Altenarbeit und pflegerische Dienste Berlin‑Brandenburg‑schlesische Oberlausitz (EVAP) aufgerufen.
Lafim-Diakonie
Die Lafim-Diakonie ist ein modernes diakonisches Unternehmen und Komplexträger von Einrichtungen und Diensten für Menschen im Alter, zur Teilhabe und für junge Menschen sowie mit dem Angebot von hauswirtschaftlichen Dienstleistungen.
Rund 3.200 Mitarbeitende leisten in über 30 Städten und Gemeinden jeden Tag Dienst am Menschen - damit ist die Lafim-Diakonie einer der größten diakonischen Arbeitgeber im Land Brandenburg und bildet ein weitverbreitetes Pflege- und Hilfsnetzwerk in der Region.
Kontakt:
Sandra Vedam
Leitung Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Tel: 0331 271 87 – 150
Mobil: 0151 26618853
E-Mail: svedam@lafim-diakonie.de