Erfolgsrezept in der Prignitz: So gewinnt das ESZ der Lafim-Diakonie Pflegefachkräfte
Erfolgsrezept in der Prignitz: So gewinnt das Evangelische Seniorenzentrum Willi Kupas der Lafim-Diakonie Pflegefachkräfte
Im Schulungsraum des Evangelischen Seniorenzentrums Willi Kupas der Lafim-Diakonie wird viel gelacht. Die Azubis Pia Kuhrmann und Khaled Abd-Alhafiz üben an einem Pflegebett, in dem Martin-Leo Leubert heute einen dementen Bewohner spielt.
„Bist du meine Schwester?“, fragt er immer wieder. Pia bleibt professionell, erklärt jeden Handgriff – und trotzdem können sich alle das Grinsen nicht verkneifen. Die Atmosphäre ist warm, familiär, wertschätzend. „Man lernt viel besser, wenn man sich wohlfühlt“, sagen die Praxisanleiterinnen Claudia Thiede und Birgit Reppert.
Warum die Ausbildungsstation in Wittenberge den Unterschied macht
Das Evangelische Seniorenzentrum Willi Kupas verfügt über eine Besonderheit, die es in vielen Einrichtungen nicht oft gibt – eine eigene Ausbildungsstation. Die Praxisanleiterinnen begleiten die Auszubildenden eng – mit Zeit, Struktur und vielen Freiheiten. Das reduziert den Druck für die Auszubildenden spürbar. Eine Praxisanleiterin ist sogar komplett freigestellt. „Das ist in der Prignitz ziemlich exklusiv“, sagt Standortleiter Michael Gans. Das Modell hat sich herumgesprochen und gilt inzwischen als Erfolgsrezept.
Das weiß auch Martin‑Leo Leubert zu schätzen. Der 45-Jährige absolviert als externer Auszubildender seinen Altenpflege-Pflichteinsatz im Evangelischen Seniorenzentrum der Lafim-Diakonie. „Woanders müssen wir um Anleitung betteln“, sagt er. „Hier ist es völlig anders.“
Die Talentschmiede der Region
Die Zahlen sprechen für sich. In den vergangenen Jahren haben mehrere Auszubildende entschieden, den Träger zu wechseln – hin zur Lafim-Diakonie. „Die wollten bei uns weiter lernen, weil es hier anders ist“, sagt Michael Gans. „Die besten neuen Mitarbeitenden sind die, die man selbst ausgebildet hat.“
Fast alle Azubis werden übernommen. Jedes Jahr entstehen so rund drei neue Fachkräfte – ein unschätzbarer Vorteil in Zeiten des Fachkräftemangels. Die Einrichtung ist voll besetzt, die Fachkraftquote liegt über 50 Prozent. „Wir haben nicht eine freie Stelle. Und durch die vielen Auszubildenden ist immer frischer Wind drin“, freut sich der Chef der Einrichtung.
Wie aus einer Busfahrt eine wegweisende Idee wurde
Seit 2020 wurden die früher getrennten Ausbildungen in Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Kinderkrankenpflege zu einer gemeinsamen Ausbildung zusammengelegt. Azubis erhalten so die Möglichkeit, auch Einblicke in andere Berufsbereiche zu gewinnen, in denen sie ihre Pflichtstunden absolvieren müssen.
Als die generalistische Pflegeausbildung 2020 startete, fragten sich Claudia Thiede und Birgit Reppert, wie man jungen Menschen den Beruf wieder schmackhaft machen kann. „Der Ruf der Pflege war miserabel“, erinnern sich die Praxisanleiterinnen. Auf einer gemeinsamen Busfahrt entstand die Idee einer eigenen Ausbildungsstation – mit echter Begleitung statt Ausbildung zwischen Tür und Angel. Die Kombination aus Standortbedingungen, pädagogischem Konzept und einer besonderen Haltung im Team macht die Ausbildungsstation zu einem Vorzeigeprojekt.
Sieben Praxisanleitende arbeiten heute im Haus, eine davon komplett freigestellt. „Wir kommen regelmäßig über die Pflichtprozente“, sagt Michael Gans. Die gesetzlich geforderten zehn Prozent Anleitungszeit werden deutlich übertroffen. „Wenn man ständig unter Strom steht, kann man niemanden gut anleiten“, sagt Claudia Thiede. „Hier haben wir die Zeit, die es für eine gute Ausbildung braucht.“
Der Unterschied: „Hier ist immer jemand da“
„Gerade am Anfang ist es angenehm, wenn immer jemand Zeit hat“, ergänzt Pia Kuhrmann. Die 19-Jährige befindet sich in ihrem letzten Ausbildungsjahr. In anderen Einrichtungen sei das selten. Auch Khaled Abd-Alhafiz spürt den Unterschied.
„Woanders musst du immer fragen, ob du etwas machen darfst. Hier habe ich feste Bezugspersonen, die mich vom ersten bis zum letzten Tag der Ausbildung begleiten. So habe ich im Alltag viele Freiheiten, Dinge auszuprobieren und zu lernen. Das entgegengebrachte Vertrauen ist deutlich spürbar“, sagt der 24-Jährige im zweiten Lehrjahr. „Hier darf man Fehler machen – und das macht uns besser“, betont Pia Kuhrmann.
Ein Erfolgsmodell in Prignitz mit Signalwirkung
Andere Einrichtungen innerhalb der Lafim-Diakonie interessieren sich für das Modell, doch die Umsetzung ist anspruchsvoll. Man brauche genügend Praxisanleitende, ein motiviertes Team, eine stabile Fachkraftquote und natürlich Auszubildende. „Jedes Haus tickt anders. Man kann das nicht mit einer Schablone übertragen“, fasst Michael Gans zusammen.
Die enge Zusammenarbeit mit der Pflegeschule, die intensive Begleitung und die klare Struktur schaffen ein Umfeld, in dem junge Menschen wachsen können. „Es spricht sich herum, dass man bei uns eine gute Ausbildung bekommt“, sagt Michael Gans. Die Ausbildungsstation des Evangelischen Seniorenzentrums Willi Kupas der Lafim-Diakonie wurde 2024 von der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mit der Wichernplakette ausgezeichnet. Diese gehört innerhalb der diakonischen Arbeit zu den höchsten Ehrungen.
Lafim-Diakonie
Die Lafim-Diakonie ist ein modernes diakonisches Unternehmen und Komplexträger von Einrichtungen und Diensten für Menschen im Alter, zur Teilhabe und für junge Menschen sowie mit dem Angebot von hauswirtschaftlichen Dienstleistungen.
Rund 3.200 Mitarbeitende leisten in über 30 Städten und Gemeinden jeden Tag Dienst am Menschen - damit ist die Lafim-Diakonie einer der größten diakonischen Arbeitgeber im Land Brandenburg und bildet ein weitverbreitetes Pflege- und Hilfsnetzwerk in der Region.
Kontakt:
Sandra Vedam
Leitung Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Tel: 0331 271 87 – 150
Mobil: 0151 26618853
E-Mail: svedam@lafim-diakonie.de