"Hitze ist längst eine soziale Frage."
29.05.2026
Diskussion um niedrigschwellige Schutzorte: Diakonie für Aufbau von „Netzwerk der Hitzehilfe“ - Spendenaufruf: Wohnungslosenhilfe benötigt dringend Sommerkleidung
Heiße Tage über 30 Grad und Tropennächte in der Großstadt: Mit Beginn der Hitzeperiode macht die Diakonie auf die besondere Belastung obdachloser Menschen aufmerksam. „Hitze ist längst eine soziale Frage. Wer arm ist, kann sich schlechter davor schützen. Wer auf der Straße lebt, ist Überhitzung und Dehydrierung oft schutzlos ausgesetzt. Neben der akuten Lebensgefahr verschärfen die gesundheitlichen Folgeschäden der Hitzebelastung die soziale Benachteiligung und den gesellschaftlichen Ausschluss weiter.“, sagt Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen.
Diakonische Träger wie die Johanniter, die Berliner Stadtmission oder GEBEWO – Soziale Dienste berichten übereinstimmend von einer spürbaren Lücke in der Hitzeschutzversorgung: Menschen suchen tagsüber Schatten in Bahnhöfen oder Einkaufszentren, Aufenthaltsorte wie Wohnungslosentagesstätten schließen oft am Nachmittag, Wasser ist knapp, Dehydrierung, Kreislaufprobleme und Erschöpfung nehmen zu und es besteht erhöhte Sonnenbrandgefahr. In der Diskussion um ein niedrigschwelliges Berliner Hitzeschutzsystem sieht die Diakonie eine Vorbildfunktion im früheren „Netzwerk der Wärme“, das während der Energiekrise unter der damaligen Sozialsenatorin Katja Kipping für die Winterzeit entstanden war. Zeitweise beteiligten sich mehr als 300 Orte in Berlin mit Aufenthalts- und Unterstützungsangeboten. Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen: “Daran sollte angeknüpft und das Netzwerk wieder aufgebaut werden – auch für die Sommermonate, etwa als “Netzwerk der Hitzehilfe” mit Aufenthaltsmöglichkeiten, Trinkwasserangeboten und kühlen Rückzugsorten.”
Während das Land Berlin auch 2026 wieder Projekte der Hitzehilfe unterstützt, arbeiten diakonische Träger gleichzeitig an konkreten Verbesserungen in der Praxis: Derzeit gibt es insbesondere Gespräche mit den Bezirken, öffentliche Trinkwasserbrunnen künftig besser über Apps und Kartenangebote auffindbar zu machen. "Trotz Klimaanpassungsstrategien fallen obdachlose Menschen in Berlin weiterhin durchs Raster. Dabei kommen Hitzeschutzmaßnahmen, die bei den spezifischen Bedarfen wohnungsloser Menschen ansetzen, automatisch allen Menschen zugute: Menschen, die durch die Hitze besonders gefährdet sind, wie Kinder, ältere und kranke Menschen, aber auch alle anderen Personengruppen, die im öffentlichen Raum unterwegs sind, können davon nur profitieren.", sagt Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen.
Ein weiterer, oft übersehener Bedarf im Sommer: Kleiderspenden. “Viele Menschen spenden Bekleidung vor allem im Winter, doch bei großer Hitze muss Kleidung häufiger gewechselt werden.“, sagt Diakonie-Direktorin Dr. Ursula Schoen. "Deshalb bitten wir die Berliner:innen ausdrücklich auch jetzt um gut erhaltene Kleidung, insbesondere leichte Stoffe, T-Shirts, Unterwäsche und Sommerschuhe."
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