Von Brandenburg nach Kreta: Warum ein Auslandspraktikum junge Köche der verändert
Zoé Sophie Triebel und Julian Maisen, Koch-Azubi's der Lafim-Diakonie, absolvierten ein dreiwöchiges Auslandspraktikum auf Kreta.
03.02.2026
Von Brandenburg nach Kreta: Warum ein Auslandspraktikum junge Köche verändert
Vor allem beim Zubereiten und Unterscheiden verschiedener Fischarten, bei der Herstellung von Fischsoßen und bei der Beurteilung, ob ein Fisch frisch ist, fühlt sich Zoé Sophie Triebel inzwischen sicher. Die 17-Jährige hat ein dreiwöchiges Auslandspraktikum auf Kreta absolviert und dort schnell gemerkt, wie viel sie in der kurzen Zeit dazugelernt hat.
Schon am ersten Tag im gehobenen Fischrestaurant Ladókolla war klar, dass sie herzlich willkommen ist. „Ich habe sofort gespürt, dass die Leute mir etwas beibringen wollten und mich aufrichtig geschätzt haben.“
Lernen zwischen Hektik, Handwerk und kretischem Alltag
In der Küche warteten jedoch weit mehr Aufgaben als nur das Filetieren von Fisch. Zoé lernte, wie man Teller so dekoriert, dass sie sofort ins Auge fallen, wie wichtig eine saubere, strukturierte Küche ist und wie man auch dann konzentriert bleibt, wenn es richtig hektisch wird. „Das Praktikum war eines der schönsten Dinge, die ich erlebt habe“, resümiert die junge Frau.
An den Arbeitstagen fuhr sie mit dem Bus von ihrer Unterkunft in einem Vorort von Heraklion direkt in die größte Stadt Kretas. Die Fahrt führte vorbei an alten Wohnhäusern, Tavernen, Touristen, Palmen und dem beeindruckenden Meer. Für sie steht fest, dass der Kochberuf genau ihr Weg ist.
„Meine Mutter und das kreative Arbeiten haben mich überzeugt, Köchin zu werden“, sagt Zoé, die ihre Ausbildung bei der Lafim-Diakonie Services im Evangelischen Seniorenzentrum Wilhelmsdorf in Brandenburg an der Havel absolviert.
Warum die Lafim-Diakonie junge Köche ins Ausland schickt
Seit 2017 ermöglicht die Lafim-Diakonie über die IHK Brandenburg ihren Kochazubis Auslandspraktika, um neue Perspektiven und Arbeitsweisen kennenzulernen. Sieben Auszubildende der Lafim-Diakonie haben diese Chance bereits genutzt und so Berufserfahrungen in der Schweiz, Frankreich, Malta, Italien und nun auch auf Kreta (Griechenland) gesammelt.
„Es geht darum, über den Tellerrand zu schauen, andere Abläufe, Gewürze und Techniken kennenzulernen“, erklärt Marleen Müller, regionale Ausbildungskoordinatorin. Insgesamt waren sechs Auszubildende aus ganz Brandenburg für ein Praktikum auf Kreta. Vor Ort begleitet sie der Partner MD Hellas - das Team organisiert die Praktikumsplätze, steht den Azubis als Ansprechpartner zur Seite und stellt zudem ein abwechslungsreiches Programm aus Ausflügen und Aktivitäten zusammen.
Aktuell verbringen rund 60 Auszubildende aus verschiedenen Ländern ihre Zeit in Heraklion. In der Hauptsaison ab dem Frühjahr steigt die Zahl auf über 300 junge Menschen, die dort wertvolle Praxiserfahrungen sammeln.
Zwischen Palmen und Praxis: Warum Auslandserfahrungen nachhaltig prägen
Ein Auslandsaufenthalt sei prägend, fernab von Heimat und Routine. „Es ist etwas anderes, wenn du nicht zum Urlaub dort bist, sondern deinen Alltag lebst – trotz Palmen und Strand.“ Die jungen Menschen erweitern dadurch ihre sozialen und interkulturellen Kompetenzen, sagt Müller, die schon selbst Auslandserfahrungen gesammelt hat.
Zoé wollte sich diese Chance nicht entgehen lassen. Ihr Fazit fällt eindeutig aus. „Ich würde ein Auslandspraktikum während der Ausbildung auf jeden Fall weiterempfehlen. Die Kollegen und Kolleginnen im Gastland sind sehr verständnisvoll und achten darauf, dass man pünktlich gehen darf“, sagt die angehende Köchin im ersten Ausbildungsjahr.
Wie Julian aus Brandenburg auf Kreta sofort Anschluss fand
Auch Julian Maisen kehrt mit starken Eindrücken zurück. Er war zeitgleich mit Zoé auf Kreta und sofort begeistert vom Ambiente und den Menschen. „Alle waren sehr freundlich und haben mich schnell aufgenommen“, erzählt der 18-Jährige, ebenfalls im ersten Jahr seiner Kochausbildung bei der Lafim-Diakonie.
Im Ladókolla‑Restaurant in Heraklion unterstützte er das Team – in einer Küche, in der alles frisch zubereitet und verarbeitet wird. „Der Fisch wurde vor Ort ausgenommen, genauso wie die Garnelen und Tintenfische.“
Zwischen mediterranem Flair und Hochbetrieb: Warum Julian nun die Küchen der Welt entdecken will
Von seiner Unterkunft in den Petousis-Appartements in Amoudara, einem Vorort von Heraklion, brauchte Julian rund 20 Minuten mit dem Bus. Die letzten zehn Minuten lief er zu Fuß – Zeit, die er nutzte, um das mediterrane Flair, die Geräusche und die Menschen auf sich wirken zu lassen. Diese Momente haben ihn geprägt.
„Ich habe schon immer gern gekocht und neue Gerichte ausprobiert. Die verschiedenen Geschmackskombinationen finde ich unglaublich spannend“, sagt Julian, der auch einige Überraschungsmomente während des Praktikums erlebte. Besonders beeindruckend war für ihn, dass viele Abläufe in einem Restaurant anders funktionieren als in einer Kantine, in der er bisher gearbeitet hatte – ein echter Aha-Moment für ihn.
An einem besonders stressigen Tag waren alle Tische belegt. Um die Gäste nicht warten zu lassen, bereitete das Team die Speisen vor und stellte sie kalt. „Ich dachte vorher, dass alles erst zubereitet wird, wenn es bestellt wird.“
Erfahrungen, die bleiben: Wie Auslandspraktika junge Menschen prägen
Drei Wochen voller Eindrücke und Erfahrungen nahm Julian mit zurück nach Deutschland – und die Erkenntnis, dass es unzählige Arten des Kochens gibt. Das macht ihn neugierig auf mehr. „Ich könnte mir in Zukunft vorstellen, mal im Ausland zu arbeiten und mir die Küchen der Welt anzuschauen.“
Über das Erasmus-PlusProgramm eröffnet die Lafim-Diakonie jungen Menschen die Möglichkeit, ein Stück Welt kennenzulernen – unabhängig von finanziellen oder familiären Voraussetzungen, erklärt Marleen Müller. Die Vielfalt an Erfahrungen bringen die Azubis zurück in ihre Einrichtungen und Teams.
„Gerade weil wir immer mehr Mitarbeitende mit Migrationshintergrund beschäftigen, sind interkulturelle Kompetenzen ein echter Gewinn.“ Und dann gibt es noch etwas, das sich nicht messen lässt: die strahlenden Gesichter von Zoé und Julian. „Das sagte mir alles – und das kann man nicht in Worte fassen“, sagt die regionale Ausbildungskoordinatorin Marleen Müller.
So bewirbst auch du dich als Azubi bei der Lafim-Diakonie für ein Auslandaufenthalt:
- Das Bewerbungsverfahren für Auszubildende in den Berufen Köche und Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement läuft über die IHK. Die IHK arbeitet mit Kooperationspartnern in den jeweiligen Ländern zusammen, welche die Praktikumsplätze in den Betrieben organisieren.
- Auslandspraktika sind auch für Pflegeberufe möglich
- Interessenten schreiben ihren Lebenslauf und ihr Motivationsschreiben auf Englisch und senden diese Unterlagen ein. Persönliche Kompetenzen sind Offenheit, Flexibilität, sich auf andere Kulturen einzustellen, und Lust, andere Länder kennenlernen zu wollen.
- Finanziert wird der Auslandsaufenthalt über das Erasmus+ Programm. Kosten für Unterkunft, Flug oder Bahn, Versicherung und für Organisation über Kooperationspartner vor Ort werden übernommen. In der Regel bleibt noch ein bestimmter Betrag über, welcher für die Auszubildenden vor Ort frei zur Verfügung steht.
- Das Ausbildungsgehalt wird für diesen Zeitraum weitergezahlt.
- Organisation und Beratung laufen über die IHK
- Ansprechpartnerin bei der Lafim-Diakonie:
Regionale Ausbildungskoordinatorin Marleen Müller
mobil 0151-50666884