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© Claus Langer/Nummer gegen Kummer

Informationen zum Projekt

Die qualifizierten, ehrenamtlich tätigen Beraterinnen und Berater haben ein offenes Ohr und nehmen sich Zeit für die Sorgen und Nöte der Kinder und Jugendlichen. Häufig angesprochen werden Themen wie Liebe, Partnerschaft und Sexualität. Auch Probleme in der Familie, Schwierigkeiten in der Schule, mit den Freunden oder Mobbingerfahrungen sind einige der Beweggründe, um sich mit dem Kinder- und Jugendtelefon in Verbindung zu setzen. Immer wieder wenden sich Kinder und Jugendliche vertrauensvoll auch mit besonders schwierigen und belastenden Themen wie sexuellem Missbrauch und anderen Gewalterfahrungen an uns.

Die Geschichte des KJT

In den 1970er Jahren entstanden in verschiedenen westdeutschen Städten so genannte Sorgentelefone für Kinder und Jugendliche. Insbesondere unter dem Dach des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) gab es viele Beratungstelefone, so dass dann auch innerhalb des DKSB eine BundesArbeitsGemeinschaft Kinder- und Jugendtelefone (BAG KJT) entstand, die 2004 in Nummer gegen Kummer e.V. umbenannt wurde. Diese legte Mindestkriterien fest, nach denen Kinder- und Jugendtelefone im DKSB anerkannt werden, zum Beispiel über eine vorherige Ausbildung der ehrenamtlich Mitarbeitenden oder die regelmäßige Teilnahme an einer Supervisionsgruppe.

Mittlerweile ist Nummer gegen Kummer e.V. ein Netzwerk von 84 Kinder- und Jugendtelefonen und 43 Elterntelefonen. Die Deutsche Telekom AG stellt die kostenlose Rufnummer und Leitung zur Verfügung. Schirmherrin der Stiftung Deutsche Kinder-, Jugend- und Elterntelefone ist Doris Schröder-Köpf.

Das KJT in Zahlen

•    im Jahr 2016 hat das KJT 5.062 Anrufe in Berlin angenommen

•    deutschlandweit wurden in 2016 insgesamt 426.294 Anrufe beim KJT registriert

•    ca. 24,9% der Anrufenden waren im Alter von 11 bis 13 Jahren

•    ca. 38,1% der Anrufenden waren im Alter von 14 bis 16 Jahren

•    ca. 21% der Anrufenden waren im Alter von 17 bis 20 Jahren

•    etwas mehr Jungen als Mädchen nutzten das Gesprächsangebot

•    die Themen kamen vorwiegend aus den Bereichen Gesundheit/psychische Probleme, Partnerschaft, Liebe und Sexualität

Können Sie mitfühlen?

Wenn Sie sich für die Themen und Probleme von Kindern und Jugendlichen interessieren, den Kids gern am Telefon zuhören und ihnen beistehen möchten, sind Sie bei uns richtig. Bitte nehmen Sie Kontakt  mit uns auf und senden Sie uns den Fragebogen ausgefüllt zu.

Wir erwarten ein monatliches Engagement von 8 Stunden, das zwei bis vier Telefondiensten entspricht. Darüber hinaus sollten Sie einmal im Monat an einer Teamsupervision teilnehmen.

Ausbildung

Für die beratende Tätigkeit ist es wichtig, einen guten Draht zu Kindern und Jugendlichen zu haben sowie stabil, belastbar, humorvoll und teamfähig zu sein. Bevor die ehrenamtlich Mitarbeitenden selbständig beraten, bereiten wir sie auf ihre Tätigkeit vor. Die Ausbildung besteht zu einem großen Teil aus Selbsterfahrung. Weitere Schwerpunkte sind Kommunikation, Gesprächsführung sowie Themenabende. In einem praktischen Teil hospitieren die Auszubildenden am Telefon.

Am 09. Januar 2015 wird die nächste Ausbildung für die Beratung am KJT Berlin beginnen. Zuvor laden wir zu einem Entscheidungsworkshop ein, der Ihnen die Möglichkeit gibt, unsere Einrichtung sowie die ehrenamtliche Tätigkeit näher kennenzulernen.

Wichtig: Unser Projekt arbeitet mit der Diakonie eMailberatung für Kinder und Jugendliche eng zusammen. Unter anderem bilden wir gemeinsam unsere ehrenamtlich Beratenden aus. Nach Abschluss der Ausbildung werden Sie also in der Lage sein, die Kids sowohl am Telefon als auch per E-Mail zu beraten.
 

Das KJT Berlin ist Mitglied im Dachverband von Nummer gegen Kummer e.V.

Wir stehen in enger Kooperation mit weiteren Telefonberatungsangeboten:
Kirchliche Telefonseelsorge Berlin-Brandenburg e.V.
Russischsprachige TelefonSeelsorge DOWERIA
Muslimisches SeelsorgeTelefon
Elterntelefon Berlin
Wir arbeiten sehr eng mit der Diakonie Onlineberatung für Kinder und Jugendliche zusammen, einem Kooperationsprojekt des Diakonischen Werkes und dem Kinderkanal von ARD und ZDF KiKA.
Unsere gemeinsame Facebook-Seite nennt sich Erste Hilfe bei Kummer.
Das KJT ist darüber hinaus Partner in dem Aktionsnetzwerk 600Leben.

Liebe

„Oh Mann, hast du die Tussi da gesehn? Die sah ja mal geil aus! Wäre was für dich gewesen..! Mensch Tommy*, was’n los?!“

„Eva ist los! Die benimmt sich total merkwürdig in letzter Zeit! Frauen! Die können sich echt nicht entscheiden!“

„Äh, ich versteh gar nichts mehr…“

„Vor ein paar Wochen hat sie mich rangelassen. Und dann bekam sie nicht mehr genug davon. Wir haben uns einfach geil verstanden. Und jetzt so was. Sie zickt nur noch rum und alles, was ich sage, ist ein Grund zum Kreischen. Das geht mir so was von auf die Eier, das glaubst du gar nicht.“

„Ach Frauen sind doch immer so. Die bekommt nur wieder ihre Tage! Schieb keine Panik, Alter …!“

Aber für Tommy* ist es damit nicht erledigt. Ihn nervt es, dass sich seine Freundin so komisch benimmt, denn das kennt er von ihr überhaupt nicht. Irgendwas muss also passiert sein. Aber immer wenn er mit ihr darüber reden will, hört sie nicht mehr zu und fängt Streit an. Mit seinen Kumpels kann er darüber nicht reden. Er hat es schon versucht, doch da kommen immer nur so Sprüche wie von Daniel* gerade. Aber irgendwie muss er doch an sie rankommen, fragt sich nur wie…

*alle Namen geändert

Sexualität

„Warum willst du nicht mit mir schlafen? Ich liebe dich doch!“

„Ich bin noch nicht soweit …“

„Ach hör doch auf! Du spielst nur mit mir! Verarschen kann ich mich alleine!“

„Aber Schatz…“

Kathi* ist 15 Jahre alt. Ihr Freund ist schon 17 und Kathi nicht seine erste Freundin. Immer wenn die beiden alleine sind, will Lukas* mehr als nur knutschen. Kathi ist das Rumgestreichel am Unterleib oder an der Brust unangenehm. Und mit ihm schlafen will sie auch noch nicht. Ihre beste Freundin Lisa* ist keine Jungfrau mehr und versteht nicht, warum sie sich so anstellt, aber Kathi fühlt sich einfach noch nicht bereit. Das steht für sie fest. Die Frage ist, wie sie das Lukas* erklärt, ohne dass er sie verlässt…

*alle Namen geändert

Freundschaften

Clara* kommt auch! Du musst einfach kommen!“

„Clara kommt?!?!“

„Ja, wieso?“

„Clara ist bescheuert! Ich kann sie nicht ausstehen!“

„Auf einmal, oder wie? Habt ihr euch gestritten?“

„Ach, ist doch egal!“

Toni* ist schlecht drauf. Schon wieder. Der Streit mit Clara *geht ihr nicht mehr aus dem Kopf. ‚Blöde Zicke’, denkt sie sich und verschränkt die Arme. Vermissen tut Toni sie schon irgendwie. Vor allem den Spaß, den die beiden immer miteinander hatten. Und die Gespräche.

Toni schüttelt den Kopf. Sie muss was tun. Nur was? Das ist immer das Doofe mit Clara und ihr. Wenn die beiden Streit haben, kann sie mit keinem drüber reden, der Rest von ihren Freundinnen versteht sie einfach nicht. Da ist niemand, der ihr helfen kann … Oder doch?

*alle Namen geändert

Familie

„Oh Mama! Kapier doch endlich, dass du hier nicht einfach reinkommen kannst!“

„Werd nicht frech, Jonas*! Du solltest dich anders benehmen, sonst ist das Konzert in zwei Wochen gestrichen!“

Jonas Blick wird wütend. „Du hast es mir doch versprochen! Das kannst du jetzt nicht einfach brechen!“

„Klar, kann ich das. Das Konzert war als eine Belohnung gedacht. Und so wie du dich benimmst, hast du keine Belohnung verdient.“

„Das find ich echt scheiße von dir!“

Jonas* ist wütend. Er ist traurig. Und er ist aufgebracht. Es ist immer das Gleiche. Seine Mutter macht Versprechen und hält sich dann nicht dran. Auch die Sache mit dem Zimmer. Sie hatten abgemacht, dass sie anklopft und wartet, bis sie ins Zimmer kommt.

Aber wenn er mit ihr reden will, fällt ihm nicht ein, wie er ihr das Ganze sagen soll. Echt blöd. Am Ende schreien sie sich nur noch an. Wie könnte er denn nur mal vernünftig mit ihr reden?

*alle Namen geändert

Scheidung der Eltern

 „…deswegen hoffen wir, dass ihr uns versteht. Wir lieben euch, Kinder, aber so können wir nicht weiter machen …“

Stille

„Was sagt ihr denn dazu?“

„Was sollen wir denn dazu sagen?! Ob wir es nun toll finden oder nicht, ändern können wir es so oder so nicht. Also, was soll der ganze Scheiß?
Sagt uns noch, wann wir umziehen und bei wem wir wohnen, dann kann ich wieder gehen!“

Tanja* ist entsetzt. Wie kann ihrem Bruder die Scheidung ihrer Eltern nur so gleichgültig sein? Sie kämpft mit den Tränen. Sie findet das alles gar nicht gut, und will das auch sagen … Aber eigentlich hat Tim* ja Recht. Ändern kann sie auch nichts daran …

Sie sagt nichts. Die Familie geht trotz des ungelösten Problems auseinander. Doch für Tanja ist es noch lange nicht geklärt. Sie findet einfach keine Ruhe, kommt von dem Gedanken nicht mehr los, bald ihren Vater oder ihre Mutter nicht mehr jeden Tag sehen zu können. Alleine fängt sie leise an zu weinen. Ihre Eltern streiten. Ihr Bruder ist weg. Zu wem kann sie gehen, wer kann ihr helfen?

*alle Namen geändert

Sucht

„Steck doch mal deine Zigarette weg! Du mit deiner ewigen Qualmerei!“

„Ach hör doch auf, Felix*! Lass Anna* doch in Ruhe, sie ist endlich auf den Geschmack gekommen! – Reich mir lieber auch eine rüber!“

Anna gibt Mike* eine Zigarette und zündet sie ihm an.

Felix schüttelt den Kopf.

„Das ist wirklich traurig Anna! Früher warst du noch gegen alle Raucher!“

„Mann Felix, jetzt nerv nicht rum!“

„Genau Felix, hör auf zu heulen!“

Die beiden lachen, stehen auf und lassen Felix zurück.

Felix seufzt. Das geht jetzt schon zu lange so. Seit Anna sich besser mit Mike versteht, hat sie mit solchem Scheiß angefangen. Kann keine zwei Stunden ohne Glimmstängel auskommen und besäuft sich ständig. Felix will mit ihr reden, aber er weiß nicht genau, was er sagen soll. Erst mal muss er mit ihr alleine sein, sonst kommen wieder doofe Seitenkommentare und dann traut sich Felix auch nicht mehr ihr ins Gewissen zu reden. Das mit dem Alleine sein würde er schon hinbekommen, aber was soll er ihr denn jetzt sagen? Das Rauchen der Gesundheit schadet weiß Anna, genau wie jeder andere.
Es muss also irgendwas anderes geben, um ihr begreiflich zu machen, dass sie von ihrer Sucht loskommen muss. Ob ihm da jemand Informationen geben kann?

Gewalt

„Hey Kleine! Gib mir dein Handy!“

„Wieso sollte ich?“

„Ha! Hört ihr das?! Die Schlampe scheint mich nicht zu kennen! Mich, Billy*! Die Königin des Viertels!“

„Nenn mich nicht Schlampe!“

„Uh … Soll das eine Drohung sein?! Ich werd dir zeigen was es heißt zu drohen! – Mia*, Sunny*, Bianca*, Lulu*! Kommt her! - Also, Schlampe, wenn du mir nicht sofort dein Handy gibst, lernst du meine Freunde und mich etwas genauer kennen!“

„Du spinnst ja!“

Und Mia, Sunny, Bianca, Lulu und ihre Anführerin Billy kreisen Sarah* ein, durchsuchen sie nach dem Handy und fangen an sie zu treten und zu schlagen.
„Lass dir das eine Lehre sein! Das nächste Mal sind wir nicht so gnädig!“

Noch Tage später hat Sarah Albträume davon. Keine Nacht schläft sie durch und alleine durchs Viertel, vor allem abends, traut sie sich auch nicht mehr. Sie ist neu hier und hat kaum Freunde, aber die, die sie hat, sagen dazu nichts. Zu sehr haben sie selber Angst vor einem Übergriff. Ihre Mutter hat sie nicht richtig ernst genommen. Sie bezweifelt, dass ihre Tochter Opfer einer Mädchenbande geworden ist.

Sarah hat Angst, richtige Angst, und sie weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Das kann doch nicht ewig so weiter gehen! Irgendjemand muss dem doch ein Ende machen! Aber wie kommt sie an professionelle Hilfe ran?

*alle Namen geändert

Schule

„Ich hab gar keinen Bock mehr auf Schule! Man sitzt doch sowieso nur die meiste Zeit dumm rum und der Lehrer labert. Was soll ich denn da noch?“

„Oh ja, ich kann dich voll verstehen! Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das noch 4 Jahre so weiter geht …“

„4 Jahre? Du meinst wohl 1 Jahr! Dann ist die Schulpflicht doch vorbei und ich mach dann die Fliege!“

„Echt?! Daran hab ich ja noch gar nicht gedacht …“

„Ich denk daran, seit ich in der vierten Klasse von der Möglichkeit erfahren habe …“

Bernd* ist nachdenklich geworden nach diesem Gespräch. Die Schule schon nach der zehnten Klasse beenden? Er weiß natürlich, dass die Schulpflicht nur bis zur zehnten besteht, aber für ihn hieß Schule bisher immer Abi machen. An die andere Möglichkeit hatte er nie gedacht. Für seinen Freund scheint der Fall klar: Ausbildung und dann einen Job. Ob das auch etwas für ihn wäre?

Bei seinen Eltern will er das nicht ansprechen, die würden ihm das gleich wieder ausreden. Für seinen Vater ist Bildung wichtig, aber Bernd hat keinen Ehrgeiz und keine Motivation mehr für die Schule. Seine Freunde können zu dem Thema auch nichts sagen. Die haben ja auch keine Ahnung über die Möglichkeiten, die sich für ihn ergeben könnten.

Der Gedanke lässt ihn nicht mehr los, auch als er schon längst zu Hause ist. Wer könnte ihn beraten? Plötzlich kommt ihm eine Idee und er greift zum Hörer.

„Hallo, hier ist das Kinder- und Jugendtelefon!“

„Ähm … hallo …“

*alle Namen geändert

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Kontakt zum Kinder und Jugendtelefon Berlin

Sabine Marx

Leitung Kinder- und Jugendtelefon und Elterntelefon Berlin+Brandenburg
Projektkoordinatorin Diakonie Onlineberatung für Kinder und Jugendliche

030 440 308 263

geschaeftsstelle@berliner-kjt.de