Was glaubst Du? Religionsphilosophische Projektwoche der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal

Die Religionsphilosophischen Projektwoche findet bereits seit über zehn Jahren im Diakonischen Bildungszentrum der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal statt. Ein fester Stamm Dozenten bringt den Schülern Themen aus der Suchthilfe, zum Weltfrieden, Sekten und dem Tod näher. Ziel  ist es, den Schülern zu ermöglichen sich tiefgründig über religiöse oder philosophische Themen auszutauschen. 

Die Religionsphilosophische Woche: Schülerinnen und Schüler des Diakonischen Bildungszentrums reden über Gott und die Welt.
02.12.2017

„Ich war gerade im Praktikum und hatte große Skepsis und Scheu behinderten Menschen gegenüber“, erzählt Nico. Er ist einer von vierzehn Schülern des Bildungsganges Sozialassistenz. Es ist der zweite Tag der Religionsphilosophischen Woche in der Beruflichen Schule für Sozialwesen  der  Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, die vom 27. November bis 1. Dezember stattfand.

Sie  sitzen in der Runde. Sind aus Bernau, Eberswalde, Wriezen, Schwedt, Angermünde und Prenzlau. Gemeinsam mit Hartwin Schulz, Diakon und Gemeindepädagoge der Stiftung Lobetal, der auch ab und an die Gitarre zum Klingen bringt. „Doch jetzt“, fährt Nico fort: „bin ich so verliebt in diesen Beruf. Denn ein Mensch hat sich so total auf mich eingelassen, der zuvor niemanden an sich rangelassen hat. Das war eine schöne Erfahrung für mich.“

Hartwin Schulz erinnert sich seines eigenen Schlüsselerlebnisses vor vielen Jahren. Noch zu DDR-Zeiten. „Es war Heiligabend, ich war vierzehn und durfte zu einem Punk-Gottesdienst, der damals in der Elias-Kirche in Berlin stattfand. Sie waren laut gewesen und es war kein normaler Gottesdienst. Doch irgendwann war es dem Pfarrer gelungen, die Punker zum Singen zu bewegen. Damals dachte ich: Wow, genau so eine Arbeit möchte ich auch einmal machen. Ich wollte Diakon werden – Diakon, dessen Bedeutung zu deutsch: dienen heißt. Und ich wollte also Menschen dienen, die es nicht leicht haben. Denn das ist unsere Aufgabe, Menschen zu helfen.“ Marie empfindet ebenso Freude an ihrem Beruf, auch daran, Freude zurück zu bekommen.“ Auch David möchte Menschen helfen.  „Ich möchte Erzieher werden, weil mein Leben bisher nicht so gut verlief. Daher kann ich mich gut in die Lage derer versetzen.“

Also kann man für andere ein Engel sein? Das ist auch Thema der Diskussionsrunde „Engel und Teufel – gibt es sie wirklich?’“ Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff Engel? Antworten gibt es, die von Weiß, Flügel, Himmel, Heiligenschein, Glücksbringer bis zum Diener Gottes reichen. Erlebnisse, die glauben lassen, ein Schutzengel muss die Hand im Spiel gehabt haben. Eine rettende Hand, ein Unglück, durch das größeres erkannt werden konnte, Dinge, die im Unterbewusstsein spüren ließen, dass ein nahestehender Mensch stirbt.

Der Teufel als Gegenspieler, die Versuchung mit Blick auf die Schöpfungsgeschichte. Was ist überhaupt gut und böse auf der Welt? Erinnerungen an bedrohliche Situationen, Erlebnisse, die nie mehr loslassen. Das Gute und das Schlechte, trägt es jeder in sich? Im Raum nebenan sitzen Diplomsozialpädagoge Peter Maciej und Kirchenmusiker Daniel Pienkny mit Schülern zum Thema: "(Warum) sollte ich an etwas glauben?" Hat jeder Mensch eine zweite Chance verdient? Was ist, wenn’s im Leben mal so richtig schief läuft? Dinge passieren, die einem umhauen? Wie positioniere ich mich, wenn ein Verbrechen geschieht? Wie verhalte ich mich in einer Welt, die durch Gewalt auf den Kopf gestellt wird – und mitunter auch durch zuviel Verstand? Gebe ich die Hoffnung auf, sehe ich noch einen Lichtblick oder kann ich doch nicht damit weiterleben? Sich und andere respektieren, an das Gute glauben und dennoch Zweifel zulassen. Was verbindet sich mit dem Wort Glauben?

Die Themen der diesjährigen Religionsphilosophischen Projektwoche, die bereits seit über zehn Jahren stattfindet – sind ein weites Feld, auf dem es gut tut, intensiv nachzudenken, es zu „bearbeiten“, zu hinterfragen und zu versuchen Dingen auf den Grund zu gehen. Die Projektwoche, anfangs vom Amt für kirchliche Dienste in Berlin begleitet, wird seit 2015 von Religionslehrerin Katrin Wacker organisiert. Ein fester Stamm Dozenten bringt den Schülern auch Themen aus der Suchthilfe, zum Weltfrieden, Sekten und dem Tod näher. Ziel  ist es, den Schülern zu ermöglichen sich tiefgründig über religiöse oder philosophische Themen auszutauschen. Sowohl in der Gruppe als auch im kleineren Kreis aus Erfahrungen des eigenen Lebens zu berichten und Gedanken über Wertevorstellungen des gesellschaftlichen Lebens zuzulassen, zu verinnerlichen sowie voneinander zu lernen.