Studentin bringt Musik in Fliedners Wohnstätte

​Franziska Lagg studiert an der Fachhochschule Clara Hoffbauer in Potsdam Musikvermittlung und –pädagogik in sozialer Arbeit. Den praktischen Teil ihres Studiums verbringt sie in Fliedners Wohnstätte „Am Pfarrhaus“ in Schmerzke. Drei Tage in der Woche verbringt sie in der Hochschule, zwei in der Wohnstätte. Dort ist sie vormittags in der Tagesstruktur tätig, plant, organisiert und begleitet Ausflüge und macht auch musikalische Einzelangebote.

Franziska Lagg musiziert mit Bewohnern der Wohnstätte "Am Pfarrhaus" in Schmerzke
26.11.2018

Die Tagesstruktur ist ein Angebot für die Bewohner, die aufgrund ihrer Erkrankung keiner regelmäßigen Arbeit nachgehen. Sie können an diesem internen Angebot teilnehmen, um ihrem Tag eine Struktur zu geben, Gemeinschaft zu erleben und sich Anregungen zu holen.

Ihre Praxisanleiterin in der Wohnstätte, Nadine Stahmann, schätzt die neue Kollegin sehr. Die Bewohner hätten sich schon lange musikalische Angebote gewünscht, und mit Lagg hätten sie in mehrfacher Hinsicht einen Volltreffer gelandet. Sie sei selbständig in der Planung und Durchführung ihrer Angebote, vielseitig im Können, spiele mehrere Instrumente und sei ein angenehmer Mensch. Stahmann ist als Praxisanleiterin für den Kontakt zwischen der Hochschule und der Einrichtung zuständig und ist führt Lagg ins Team ein.

Lagg sagt, sie sei eher zufällig zu der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen gekommen, sie sei aber glücklich hier. „Ich habe hier viele Freiheiten, weil ich nicht so in den Alltag eingebunden bin wie die Mitarbeiter. Ich kann die verschiedenen Wirkungen der Musik ausprobieren und den Bewohnern individuelle Angebote machen.“

Musik kann auf vielen Ebenen Menschen erreichen. Es wirkt direkt auf das Gehirn und auf die Emotionen. Sie ist besonders wertvoll in der Arbeit mit Menschen mit Demenz. Musik erreicht mühelos ihr Gedächtnis, wenn sie z.B. Lieder hören, die sie in ihrer Kindheit gesungen haben. Musik kann Gemeinschaft erlebbar machen und die sozialen Fähigkeiten und Vertrauen fördern.

Die Arbeit mit Menschen mit psychischen Erkrankungen, auf die diese Wohnstätte „Am Pfarrhaus“ spezialisiert ist, lässt in Lagg den Wunsch wachsen, nach dem Bachelor Musiktherapie zu studieren. Sie ist momentan im zweiten (von drei) Jahren Studium. Aber das lässt sie noch offen.

Lagg ist mit Musik aufgewachsen. Ihre Mutter spielte Geige, ihr Vater Trompete (unter anderem). Sie lernte früh Blockflöte spielen, es folgten Querflöte, Gitarre und Klavier. Parallel interessierte sie sich für besondere Instrumente. Sie zeigt eine steal tank drum, eine Stahltrommel, die aus einem leeren Propantank hergestellt wurde und ausschließlich angenehme Töne hervorbringt. Mit einem Bewohner spielt sie regelmäßig tank drum, ein anderen lernt mit ihr Keyboard zu spielen.

Ihre Angebote sehe sie als Bereicherung für die Bewohner, als Ergänzung des Alltags, in denen sie ihnen ästhetische Erfahrungen ermöglicht. Auch Stahmann sagt, „Musik öffnet alle Herzen, deshalb ist Frau Lagg für alle in der Wohnstätte eine Bereicherung.“