Pröpstin Dr. Christina-Maria Bammel würdigt Rogate-Eröffnungsgottesdienste

21.07.2020

Zehn Jahre Rogate-Eröffnungsgottesdienste: Grußwort von Pröpstin Dr. Christina-Maria Bammel:

Liebe Freunde und Freundinnen des schwul-lesbischen Straßenfestes – mit Tradition und Farbe,

auch wenn wir noch auf Covid-Abstand bleiben müssen – vor allem jetzt in den letzten Julitagen sind wir uns besonders nah!

Vor einer Dekade haben sehr engagierte Menschen, denen wir alle sehr dankbar sein können, das erste Mal mit einem Gottesdienst das Motz-Straßenfest eröffnet. Mutig, engagiert und beherzt – seitdem – jedes Jahr neu. Nicht mehr wegzudenken ist so ein sammelnder und inspirierender Einstieg in die Festtage mit berührenden Predigten, mit Musik und Gebet, mit Kraft und Leidenschaft. Danke, dass ich das auch schon selbst miterleben und mitfeiern durfte!

In meinen Gedanken und mit dem Herzen bin ich bei Ihnen, bei euch, die ihr bereits so viel in der Vorbereitung gedacht und geplant hattet, bevor ein Virus unseren Alltag ganz anders werden ließ.

Wie viel gegenseitige Ermutigung und Widerstandsfähigkeit das gerade im Anfang gebraucht haben muss, um sich mit dem damals neuen Format zu behaupten – auch gegen manche kirchenleitende Bedenken.

Der Kampf gegen Vorurteile ist zäh. Der Kampf gegen diskriminierende Haltungen noch zäher. Aber die Community ist mit den Jahren größer, bunter, lauter geworden. Gut so! Es geht schließlich um gleiche Rechte für alle Menschen, in der LGBTTIQ-Community und über sie hinaus.

So wichtig sie sind, es geht um noch mehr als Rechte. Es geht um die Grundlage unseres Lebens, um die Liebe. Wo sie normiert oder gar verboten wird, ist sie in Gefahr, sind Menschen in Gefahr. In vielen Ländern der Welt ist das noch der Fall. Davor können wir die Augen auf keinen Fall verschließen! Unsere Gebete, unser Empowerment, unser Einsatz; werden bitter nötig gebraucht, weil einfach nicht hinzunehmen ist, dass auch im 21. Jahrhundert noch an so vielen Orten die sexuelle Orientierung zur Lebensgefahr wird. Das ist ein Skandal und eine Wunde in der Menschheit!

So viel gefährdetes Leben! Das wissen wir nicht erst seit dieser Virus-Krise. Wo die Gefährdungen bedrohlich, die Nächte dunkel und die Schatten weit reichten, da hat Gott immer wieder Boten der Furchtlosigkeit und der Rückenstärkung auf den Weg gebracht. Dieses Lebens- und Liebes- und Antifurcht-Botschafter sind Engel. Das ist mein Glaube und wird mir immer wieder neu zur Hoffnung. Nur nicht furchtsam werden, das sagen die himmlischen Botschafter. Und damit geben sie Bodenhaftung, allen, die mutig füreinander eintreten, für gleiche Rechte und die bunte Liebe kämpfen.

Der Engel der Ermutigung, der Selbstbehauptung, vor allem der Engel der Liebe, die vielfältig ist, – Gottes Engel – , wird mit euch durch die kommenden Zeiten gehen, wird mit uns allen gehen auch zum CSD Gottesdienst am 24. Juli diesen Jahres in Berlins Stadtmitte, wird mit uns allen gehen, bis wir uns wiedersehen – und das hoffentlich nicht erst im Juli 2021, dann unter dem Motto „Gleiche Rechte für Ungleiche – weltweit“. Aber da ganz besonders! Das sage ich auch verbunden mit einem herzlichen Gruß von unserem Bischof der Evangelischen Kirche-Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein.

Gottes Segen!

Pröpstin Dr. Christina-Maria Bammel, Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz