Pionier im Land Brandenburg: Diakonisches Bildungszentrum der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal startet mit einer Inklusiven Bildungsagentur

Bildung sollte inklusiv sein, meint die Agentur für Fort- und Weiterbildung des Diakonischen Bildungszentrums Lobetal. Jetzt hat sie dazu ein Projekt gestartet.

(vl) Michael Nöthlings, Leiter der Fortbildungsagentur der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal, Antje Bauerschäfer-Jahn und Niels Kauffmann leisten mit ihrem Vorhaben „Bildung für alle“ Pionierarbeit in Brandenburg. Aktion Mensch gibt dazu das Geld.
25.02.2021

Bildung für alle! Das hat sich die Agentur für Fort- und Weiterbildung des Diakonischen Bildungszentrums Lobetal auf die Fahnen geschrieben. „Für uns war schon lange ein Thema, dass Bildung nicht exklusiv, sondern inklusiv sein muss.“ Damit meint Michael Nöthlings, Leiter der Fortbildung- und Weiterbildungsagentur, dass Menschen mit Behinderung außerhalb von Werkstätten und Wohneinrichtungen Fort- und Weiterbildungen nutzen können. Mit dem „Förderprogramm Beratung, Begleitung und Selbsthilfe“ der Aktion Mensch gibt es nun die Möglichkeit. „Wir haben unsere Ideen dort vorgestellt und erhalten fünf Jahre die Möglichkeit, diese Idee zu entwickeln und zu etablieren“, freut sich Nöthlings.

Menschen mit Behinderung sollen auch Fortbildungen wahrnehmen können

Antje Bauerschäfer-Jahn und Niels Kauffmann haben diese Aufgabe mit jeweils einer halben Stelle übernommen. Bauerschäfer-Jahn hatte bisher seit über einem Jahr im Diakonischen Bildungszentrum die Schulsozialarbeit im Blick. Niels Kauffmann arbeitete als Dozent. Seine Schwerpunkte sind das Bundesteilhabegesetz (BTHG) und die Erwachsenenbildung. Er fragt sich schon lange: „Warum sollten Menschen mit Behinderung nicht auch eine Fortbildung wahrnehmen können?“ Und meint damit nicht die arbeits- und lebenspraktische Förderung, die innerhalb der Werkstätten und Einrichtungen angeboten werden. „Wir möchten Bildungsangebote unterbreiten, die für Menschen mit und ohne Behinderungen gleichermaßen strukturiert sind.“ Das bedeutet, dass es ein Fortbildungsprogramm gibt, dass jede/jeder unter den Angeboten frei auswählen kann, dass es ein Anmeldeverfahren gibt, dass man am Counter seine Tagungsunterlagen erhält und dass auf den Tischen Tagungsgetränke sowie Obst oder ähnliches ganz selbstverständlich bereitsteht - ganz normal eben.

Ein breites Spektrum von Kursen im Blick

Und was werden die Inhalte sein? Ein breites Spektrum ist im Blick. Es wird die Klassiker geben, also Kurse, die Freizeitinteressen aufnehmen wie Kochen, Gesundheit, Kreativität oder Computer bzw. digitale Medien. Auch wird es Angebote geben für die persönliche Entwicklung und Reflexion. Einige Kurse werden auf die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen eingehen, ihnen ihre Bedarfe und rechtlichen Möglichkeiten erläutern, so dass sie diese besser artikulieren und durchsetzen können. Mit im Blick sind auch die Angehörigen und das soziale Umfeld. „Natürlich werden wir die Menschen fragen, was sie interessiert und diese Themen in unser Programm aufnehmen“, ergänzt Antje Bauerschäfer-Jahn. Sie macht es am Beispiel Wohnen konkret. „Unsere Kurse werden an Lebenswelten anknüpfen. Wie kann ich selbstständig wohnen? Was muss ich dabei beachten? Wie lese ich einen Vertrag? Wie kann ich energiebewusst wohnen? Welche Möglichkeit der Unterstützung gibt es?“ Man müsse im Blick haben, dass Themen, die für uns selbstverständlich seien, für Menschen mit Behinderung nie vorgekommen sind, weil immer jemand für sie da war und es ihnen abgenommen hat.

Segel neu setzen – auch in der Bildung

Das neue Angebot nimmt den Perspektivwechsel auf, der im neuen BTHG angelegt ist. Es gehe nicht mehr darum: Ich weiß, was Du brauchst, sondern darum: Jemand weiß selbst, was er oder sie braucht. Nöthlings dazu: „Wir schreiben dem Menschen nicht mehr vor, was er braucht. Der Entwicklungsbericht fordert jetzt Teilhabeplanung und Selbstwirksamkeit. Jetzt fragen wir: Was benötigen Sie? Was wollen Sie erreichen und wie kommen Sie dahin?“ So setze das BTHG auch im Bereich Bildung die Segel neu.

Dabei weiß das Team, dass es viel Überzeugungs- und Kommunikationsarbeit leisten muss. „Wir verstehen uns als Ergänzung und als Bereicherung der Werkstätten und der Einrichtungen“, geben sie zu verstehen. Dazu wird derzeit der Boden bereitet. Es gilt zu informieren, das Konzept und die Angebote zu entwickeln, das Netzwerk aufzubauen und was am Wichtigsten Ist: Vertrauen zu gewinnen. Eine lange Liste ist abzuarbeiten: Bereichs- und Einrichtungsleitungen, Werkstatträte, Wohnungsräte, Selbstvertretergruppen, um nur einige zu nennen. Hinzu kommen die Netzwerke in den Landkreisen. Zum Beispiel die Teilhabeberatung, die Ämter, die Schulen und Fördereinrichtungen. Die ersten Termine sind schon gemacht.

„Wir möchten die Menschen mitnehmen, Akzeptanz intern und extern aufbauen und zeigen, was der Mehrwert von Fortbildung für Menschen mit Behinderungen ist. Eines Tages werden wir DIE Inklusive Bildungsagentur in Brandenburg sein“, geben sich die drei Pioniere zuversichtlich.

Wer mehr erfahren möchte oder Wünsche hat zu Bildungsangeboten kann sich gerne melden bei:

Diakonisches Bildungszentrum Lobetal
Fort- und Weiterbildung
Telefon: 0176 87 95 95 36
E-Mail: fobi@lobetal.de

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