Gesellschaftlicher Zusammenhalt gefragt

Mit einem Straßenfest hat die Lichtenberger Kiezkneipe „Morgen wird besser“ am Samstag, 28. August 2021, Wiedereröffnung gefeiert – fast genau ein Jahr, nachdem ein mutmaßlich antisemitisch motivierter Brandanschlag das gesamte Inventar zerstört hatte.

"Wir lassen uns das nicht bieten.": Superintendent Hans-Georg Furian während der Wiedereröffnung des "Morgen wird besser". Der Ev. Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree hatte gemeinsam mit der SozDia Stiftung Berlin einen Spendenaufruf gestartet.
31.08.2021

Das sind gute Nachrichten – und wohltuende Bilder: Ein Blick in die sanierten Innenräume der Lichtenberger Kiezkneipe „Morgen wird besser“ und man kann gar nicht mehr glauben, wie es hier noch vor ziemlich genau einem Jahr ausgesehen hat: Wo damals verbrannte Tische und verkohlte Wände zu sehen waren und ein stechender Brandgeruch in die Nase stieg, finden sich jetzt auf dem neuen Fußboden bunte Sessel, die Theke erstrahlt in alter Schönheit und der Kicker steht auch wieder am rechten Fleck.

Die Solidarität im Kiez, im gesamten Bezirk war groß, um den entstandenen Schaden zu beseitigen. Die SozDia Stiftung Berlin packte ganz praktisch an und ließ angekokelte Tische in der stiftungseigenen Tischlerei „Holznagel“ wieder auf Vordermann bringen. In einer gemeinsamen Spendenaktion mit dem Ev. Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree konnten mehrere Tausend gesammelt werden.

Mit gelebter Nachbarschaft und Solidarität Zeichen setzen

Dass die Wiedereröffnung ein großer Erfolg sei und gleichzeitig die Chance biete, das soziale Miteinander noch stärker und intensiver wertzuschätzen, betonte Clara Leiva Burger von der SozDia Stiftung Berlin. „Eine starke Gesellschaft braucht eine lebendige Nachbarschaft in der wir füreinander da sind und füreinander einstehen.“
Vor Ort war ebenfalls Superintendent Hans-Georg Furian. Er wies zwar auf den erfolgreichen Spendenaufruf von SozDia und Kirchenkreis hin: „Wichtiger aber ist, dass wir als Zivilgesellschaft zusammen sichtbar sind, wenn einer von uns angegriffen wird“. Er führt aus, die Vielfalt sei bedroht: „Heute zeigen nicht nur wir als evangelische Christen, sondern diese Zivilgesellschaft, dass wir uns das nicht bieten lassen.“
Zu dem Schluss „Wir lassen uns das nicht gefallen.“ kam auch Bezirksbürgermeister Michael Grunst bei seinen Grußworten.

Und dann konnten an diesem Nachmittag einmal der Ärger, die Anstrengungen und die Sorgen vergessen werden: Bis in die Abendstunden gab es ein abwechslungsreiches Programm mit gutem Essen, toller Musik – ein ganz wunderbares Kiezfest halt!

Über den gemeinsamen Spendenaufruf

Mitte August 2020 war die Lichtenberger Kiez-Kneipe „Morgen wird besser“ unweit des Lichtenberger Sana-Klinikums bei einem Brandanschlag fast vollständig zerstört worden – die Wände schwarz, ein Teil des Mobiliars verbrannt. Nur durch ein Wunder wurden keine Menschen verletzt und durch das Feuer war ein Sachschaden von 30.000 Euro entstanden.

Die SozDia Stiftung Berlin und der Ev. Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree setzen sich für eine friedliche Gesellschaft ein und hatten nach dem Brandanschlag auf die Lichtenberger Kiez-Kneipe zu Spenden aufgerufen. Rund 3.500 Euro konnten Superintendent Hans-Georg Furian und Michael Heinisch-Kirch (Vorstandsvorsitzender der SozDia) Mitte Dezember 2020 dem jüdischen Inhaber persönlich übergeben. Nach Fortsetzung des Spendenaufrufs kamen im Frühjahr weitere 1.000 Euro zusammen.

Als Kiez-Nachbar wollte die SozDia Stiftung Berlin nach dem vierten Anschlag auf die Bar innerhalb weniger Jahre auch tatkräftig dabei helfen, den Schaden zu minimieren und ein Signal der Unterstützung an den Kneipenbesitzer senden. In ihrer inklusiven Tischlerei-Werkstatt „Holznagel“ in der Immanuelkirchstraße wurden die verbrannten Möbel wieder auf Vordermann gebracht.