Gemeinsam Lebenräume gestalten: Sozialräumliche Ausrichtung als Zukunftsthema für Kirche und Diakonie

Um die sozialräumliche Ausrichtung als strategisches Zukunftsthema von Kirche und Diakonie ging es beim digitalen Kongress "WIR&HIER – Gemeinsam Lebensräume gestalten", der am 3. und 4. September 2021 von der Diakonie Deutschland und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) veranstaltet wurde. Neben diversen Podien stand die Vorstellung konkreter Projekte im Mittelpunkt des praxisorientierten Kongresses. Auch Welcome! – Netzwerken im Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree, ein Kooperationsprojekt zwischen der SozDia Stiftung Berlin und dem Ev. Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree, konnte seine Arbeit in einem Praxisworkshop zum Thema „Dialog & Öffentlicher Raum“ vorstellen. Besonders anschaulich wurde dies durch die Erfahrungen, die beim Einsatz der mobilen und interaktiven Ausstellung „Facetten des Glaubens“ im Rahmen der Interkulturellen Woche im vergangenen Jahr gesammelt wurden.

Das Kooperationsprojekt Welcome! – Netzwerken im Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree stellte sich beim WIR&HIER-Kongress mit Workshop zu "Dialog & öffentlicher Raum" vor. Als Praxisbeispiel diente die interaktive Ausstellung "Facetten des Glaubens".
07.09.2021

Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, hat die Gestaltung der Sozialräume als wichtiges strategisches Zukunftsthema von Kirche und Diakonie hervorgehoben. "Wir leben in einer Zeit, in welcher der rasante Wandel manchmal die einzige Konstante zu sein scheint", sagte er zu Beginn des digitalen Kongresses. Lilie betonte, dass Kirche und Diakonie nicht abseits dieser Entwicklung stünden, sondern Teil der Gesellschaft der vielen Umbrüche und neuen Aufbrüche seien. "Kirche und Diakonie wollen Mitgestalter des Wandels sein und dadurch einen Beitrag zu einer neuen Erzählung von Zusammenhalt und Teilhabe für alle leisten", so Lilie.

Als zentrales Gestaltungselement für die Zukunft von Kirche und Diakonie sieht der Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, die Vernetzung. "Vernetzung geht digital, aber eben auch vor Ort. Das bringt Kirche und Diakonie in Bewegung." Dabei liege es nahe, "hinaus ins Weite" zu gehen. "Wir müssen rausgehen zu den Menschen – direkt vor unsere Haustür, vor unsere Kirchentür. Sozialraumorientierung steht für eine Kirche und Diakonie, die sich nicht zurückzieht, sondern sich verlässt, sich einlässt, sich selbst aussetzt", so Landesbischof Bedford-Strohm.
In seinen Grußworten finden sich auch wesentliche Leitgedanken von Welcome! – Netzwerken im Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree wieder. Welcome! ist eines der Projekte, die sich im Rahmen des zweitägigen Kongresses präsentierten und beim Praxisworkshops „Dialog & Öffentlicher Raum“ zum Austausch einluden.

Hille Richers (Projektkoordinatorin Welcome!/SozDia) und Pfarrerin Christiane Schulz von ESTAruppin e.V. berichteten während des Workshops von ihren Erfahrungen mit Dialogen im öffentlichen Raum, die sie im Rahmen ihrer Kooperation mit der interaktiven Ausstellung „Facetten des Glaubens“ sammeln konnten. Sie präsentierten Perspektiven für die praktische Zusammenarbeit von Kirchengemeinden, zivilgesellschaftlichen Partner*innen und diakonischen (Nachbarschafts)-Einrichtungen und ermutigten dazu, Gelegenheiten und Anlässe zu stiften, um stärker „zuhörend unterwegs“ zu sein im öffentlichen Raum.
Voraussetzung sei das Interesse, sowohl Raum zu schaffen für solidarisches und respektvolles Miteinander in Vielfalt, als auch, sich in der Erweiterung der eigenen „Schmerzgrenze“ mit klarer Haltung sowie fairer Gesprächskultur bei unterschiedlichen Sichtweisen zu üben. Dies entspricht auch der in der SozDia Stiftung Berlin gelebten Grundhaltung, immer wieder nach Wegen zu suchen, wie „Demokratie gestalten“ im Alltag der Sozialen Arbeit umgesetzt werden kann.

„Die interessierten Nachfragen und die lebhafte Diskussion im Workshop zeigten, wie wichtig und Mut machend solche Experimente mit offenem Ausgang sind“, so Hille Richers. „Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Dieser muss vielmehr immer in Zusammenarbeit mit den Menschen im Sozialraum, durch Zuhören und mit dem Aufgreifen der Interessen und Ressourcen jeweils vor Ort entwickelt werden.“ Der Wunsch, dass diese Haltung noch viel mehr Bestandteil von Aus- und Weiterbildung sowohl von Sozialarbeiter*innen als auch von Pfarrer*innen sein müsse, sei mehrfach geäußert worden.

Dass der Ev. Kirchenkreis Lichtenberg-Oberspree und die SozDia Stiftung Berlin mit dem Kooperationsprojekt Welcome! neue und offene Wege beschreitet, erfuhr im Rahmen des Kongresses große Anerkennung. Zu dessen Abschluss gab es 12 Leitimpulse, welche auch die Sicht- und Arbeitsweise von Welcome! wiederspiegeln: Kirche und Diakonie sind Bestandteil des Sozialraumes. Beide können im und mit dem Sozialraum gemeinsam lernen, denn Irritationen von außen ermöglichen innovative Prozesse, fördern und unterstützen Dynamiken. Ausgrenzung wird vermieden, wenn im Sinne von Inklusion und Partizipation bereits Ziele und Prozesse inklusiv und partizipativ entwickelt werden und Teilhabe ermöglichen.

Die 12 Leitimpulse für eine diakonische Kirche mit Zukunft sind hier zu finden.

Eine Präsentation zum Workshop "Dialog & Öffentlicher Raum" kann hier abgerufen werden.

Alle Informationen zum Kongress finden Sie auf www.wirundhier-kongress.de.

Weitere interessante Inhalte zum Thema:

> Blogbeitrag von Ulrich Lilie, Präsident Diakonie Deutschland: "Wir & Hier: Kirche mit Zukunft“

> Vortrag von Dr. Maria Lüttringhaus während des Kongresses: “Potenziale eines Paradigmas – Sozialraumorientierung in Kirche und Diakonie“ (15 Min.): https://youtu.be/__xwEFRZkr4

> Folge 027 des Windhauch-Podcast von Steffen Merle und Ingolf Hübner (57 Min.): „Sozialraumorientierung als Aufgabe und Herausforderung für Kirche und Diakonie“