Ein großer Tag für die Inklusion

Gemeinsamer Spatenstich am Montag für den Neubau inklusives Wohnen auf der Osthalbinsel durch die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal.
01.03.2019

„Wir haben seit Gründung der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal uns immer darum bemüht, dass Menschen ein ordentliches Dach über dem Kopf haben“, sagte Geschäftsführer Martin Wulff in seiner Begrüßung zum Spatenstich für das inklusive Wohnhaus am 25. Februar. „Wir möchten, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der ehemaligen Landesklinik Brandenburg genauso leben, wohnen und arbeiten können, wie es für jede und jeden von uns völlig normal ist.“

Mit dem Gebäude in zentraler Lage der Stadt Brandenburg a.d.H. wird dies nun für Menschen möglich, die Jahrzehnte in der ehemaligen Landesklinik gelebt haben. Einige von ihnen haben nur selten das Klinikgelände verlassen können, und sie haben ihren Alltag eher an Dienstplänen der Klinik ausrichten müssen als an ihren eigenen Interessen. Manche von ihnen sind selten mit einem öffentlichen Bus gefahren oder in einen Friseursalon gegangen oder haben einfach Mal einen Kaffee in der Bäckerei um die Ecke getrunken.

Das wird sich bald ändern. Für Jeannette Pella, Leiterin der Eingliederungshilfe, ist dieses Bauvorhaben ein Herzensprojekt. „Dies ist der Startschuss für alle Mieter in ein selbstbestimmteres Leben.“ In dem barrierefreien Neubau sollen in zwei Jahren Menschen mit und ohne Einschränkungen nachbarschaftlich zusammenleben. In den beiden unteren Stockwerken werden 31 Menschen mit Beeinträchtigungen in Wohnungen und Wohngruppen wohnen. Im Obergeschoss wird es 13 frei vermietbare Wohnungen geben. Sie betont: „So bietet nicht nur die Lage des Neubaus viele Möglichkeiten zur Begegnung und Teilhabe, sondern auch das Zusammenleben mit Menschen und Familien aus der Region unter einem Dach.“

Für Pastor Ulrich Pohl, Vorsitzender der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, geht es auch darum, Bekanntes und Altes loszulassen. Ein bisschen sei es wie bei Abraham, zu dem Gott sagte: „Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will.“ Viele der Bewohnerinnen und Bewohner werden sich die Frage stellen, was auf sie zukomme. Pastor Pohl macht Mut zur Veränderung: „Sie werden eine gute Umgebung finden und eine gute Nachbarschaft. Sie werden Menschen finden, die es gut mit Ihnen meinen.“

Gute Nachbarschaft war auch für Frau Pella ein wichtiges Stichwort: „Wir wollen unseren Beitrag für eine gute Nachbarschaft leisten.“ Den Nachbarn bot sie an, bspw. die Pakete anzunehmen oder in der Urlaubszeit die Blumen im Garten zu gießen oder einfach mal mit einem Ei aushelfen.

Einer der Bewohner wird Manfred Köhler (79) sein. Er scheut sich nicht, vor den Gästen ein Lied zu singen. Schließlich war Manfred Kohler einst Solosänger der „Roten Adler“, des inzwischen aufgelösten Chors des Heims in der einstigen Landesklinik auf dem Görden. Seit 54 Jahren lebt der psychisch beeinträchtigte Mann auf dem Krankenhausgelände. Im nächsten Jahr steht sein Umzug in den Neubau der Stiftung Lobetal an der Krakauer Straße an. Darauf freut er sich und möchte, dass sich alle dort wohlfühlen und er seinen 80.Geburtstag in seiner ersten eigenen Wohnung nachfeiern kann. „Ich denke, dass wir uns im neuen Heim wohlfühlen werden, das wünsche ich.“ Daran hat keiner der rund 80 Gäste den leisesten Zweifel.

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