Statement Barbara Eschen: Freiwilligendienste besser finanzieren

Nach der Pressekonferenz zum neuen "Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz" und der Debatte um die Forderung von Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen zur Einführung eines verpflichtenden Dienstes für Frauen und Männer ab 18 Jahren, und der Behauptung, das freiwillige Engagement von Bürgern reiche nicht mehr aus, um die staatliche Sicherheits- und Daseinsvorsorge auf Dauer zu gewährleisten, spricht sich Diakoniedirektorin Barbara Eschen gegen eine Dienstpflicht im Gesundheitswesen aus, fordert aber eine bessere Finanzierung der Freiwilligen.

Mit einem Freiwilligendienst haben junge Menschen die Möglichkeit, ihre sozialen Kompetenzen zu vertiefen.
23.07.2020

 

Diakoniedirektorin Barbara Eschen:

"Das derzeitige Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ist jeder Dienstpflicht vorzuziehen. Unsere Einrichtungen der Diakonie machen gute Erfahrungen mit den Freiwilligen, die oft mit hoher Motivation in Kita, Altenhilfe, Krankenhaus, Wohnungslosenhilfe oder anderen sozialen Feldern arbeiten. Von Anfang an ist klar, dass es um eine Win-Win-Situation geht: Die jungen Erwachsenen geben ihre Zeit und sie erhalten begleitete Erfahrungen mit einem guten und interessanten Bildungsprogramm. Viele nutzen die Zeit zur persönlichen Orientierung und werden darin in den Einrichtungen und vor allem auch durch die Referent*innen in unserem Haus in den Seminaren unterstützt. Wir legen wert darauf, dass die Freiwilligen vor Ort gut begleitet werden, sie sollen keine Fachkräfte ersetzen, sondern mit ihren Fähigkeiten das Leben dort bereichern. Dabei lernen sie viel und vertiefen ihre sozialen Kompetenzen.

Mich beeindrucken das Engagement und die Offenheit, mit der die jungen Erwachsenen sich neue Erfahrungen erschließen. Freiwilligkeit, eigene Entscheidung ist das A und O dafür und muss erhalten bleiben. Die hohe Zahl der Bewerbungen spricht ebenfalls dafür.

In der Diakonie versuchen wir, Freiwillige aus allen Bevölkerungsgruppen zu gewinnen, beispielsweise auch junge Geflüchtete oder Jugendliche mit einer schwierigeren Schullaufbahn. Das ist in der letzten Zeit auch oftmals gelungen. Hier bräuchten wir eine bessere Finanzierung für die Begleitung.

Gut war auch die Einführung des Bundesfreiwilligendienstes (BFD), der Menschen jeden Lebensalters den Einsatz als Freiwilligen ermöglicht. Das nutzen Menschen in ganz unterschiedlichen Lebensphasen für neue Erfahrungen. Auch hier wirkt das begleitende Bildungsprogramm bereichernd.

Für alle Freiwilligen würde ich mir eine Erhöhung des Taschengeldes wünschen, zumal gerade die Kosten für die Unterkunft steigen. Das mindeste ist die Freie Fahrt - also das kostenlose Ticket für den Öffentlichen Nahverkehr."

>> Ein Statement von Barbara Eschen dazu ist auch erschienen in den Potsdamer Neuesten Nachrichten: www.pnn.de/potsdam-mittelmark/debatte-um-pflichtdienst-diakonie-freiwill...