So viele Schlafplätze wie nie zuvor reichen aus

Zum Ende der Kältehilfesaison 2016/2017 zogen die beteiligten Verbände Bilanz: Während die ausgebauten Notschlafplätze ausreichten, bereiteten der gesundheitliche Zustand und die langfristigen Hilfen für Obdachlose Menschen in Berlin den Verbänden und Einrichtungen der Kältehilfe Sorgen.

Auf dem Podium v.l.n.r.: Caritas-Direktorin Prof. Dr. Ulrike Kostka, Diakonie-Direktorin Barbara Eschen, Ulrich Neugebauer (Leiter der Kältehilfe der Berliner Stadtmission) und Diakonie-Pressesprecherin Lena Högemann.
30.03.2017

 

  • Übernachtungen insgesamt: 100.721
  • Höchste erreichte Anzahl von Schlafplätzen pro Nacht: 965
  • Auslastung insgesamt: 90,6 Prozent

Diakonie-Direktorin Barbara Eschen sagte: „Wir brauchen nicht mehr Übernachtungsplätze in der Berliner Kältehilfe. Die vom Berliner Senat geplanten und finanzierten 1.000 Plätze sind ausreichend. Sie sollten in der nächsten Saison wieder angeboten werden. Es ist aber trotz ausreichenden Platzangebots längst nicht alles gut auf den Straßen Berlins. Den Menschen, die auf der Straße leben, geht es immer schlechter: physisch und psychisch. Nötig wäre eine Krankenstation mit mindestens zehn Plätzen, unterstützt vom Berliner Senat.“

Caritas-Direktorin Prof. Dr. Ulrike Kostka sagte: „Die Notwendigkeit der Kältehilfe mit ihrem steigenden Platzangebot zeigt in aller Härte, dass die Wohnungsnot mehr und mehr wächst. Die Kältehilfe hält Politik und Gesellschaft einen Spiegel vor und fordert vehement Antworten statt Almosen. Wir brauchen wirksame Politik, die den weiteren Anstieg der Mieten verhindert und endlich mehr bezahlbaren Wohnraum schafft. Das Problem der Wohnungsnot hat das Potential, die Gesellschaft zu spalten und den sozialen Frieden in unserem Land zu gefährden.“

Ulrich Neugebauer, Leiter der Kältehilfe der Berliner Stadtmission sagte: „Vermeidung von Kältetoten war und ist das Grundprinzip der Kältehilfe. Die Entwicklung der Bedarfe in den letzten 25 Jahren zeigt, dass es nicht nur eine zahlenmäßige Veränderung gibt, sondern, dass sich der gesundheitliche Zustand der obdachlosen Menschen stark verschlechtert hat. Dieser Entwicklung muss aktiv entgegengewirkt werden, um eine massenhafte Verelendung von obdachlosen Menschen zu verhindern. Mein Wunsch ist, dass es selbstverständlich ist, dass wir als reiche Gesellschaft jeden Einzelnen, unabhängig von seiner Herkunft und seiner sozialen Lage menschenwürdig behandeln.“

So viele Schlafplätze wie nie zuvor reichen aus, Abschlußkonferenz Berliner Kältehilfe

Auf der Pressekonferenz der Berliner Kältehilfe ziehen die beteiligten Verbände Bilanz.
"Wir brauchen mehr weiterführende Hilfen und eine bessere medizinische Versorgung", fordert Diakonie-Direktorin Barbara Eschen.
Diakoniedirektorin Barbara Eschen im Gespräch, nach Ende der Pressekonferenz.
Ort der Pressekonferenz: Die Halle-Luja. Sie bietet Betten, Sanitäranlagen und eine warme Mahlzeit für 100 Bedürftige.

Hintergrund:
Die Berliner Kältehilfe ist ein deutschlandweit einzigartiges System, in dem die Träger der Wohnungslosenhilfe von Caritas, Diakonie und Deutschem Roten Kreuz und Kirchengemeinden konfessions- und verbandsübergreifend zusammenarbeiten, um wohnungslosen Menschen in den kalten Wintermonaten eine Übernachtung im Warmen zu ermöglichen.

Berlin, den 30.03.2017