Internationaler Kindertag: Kinderarmut ist das Gegenteil von Chancengleichheit

Die Nationale Armutskonferenz (NAK) fordert anlässlich des Internationalen Kindertags am 1. Juni dazu auf, Kinderarmut wirksam zu bekämpfen.

01.06.2017

Barbara Eschen, Sprecherin der Nationalen Armutskonferenz und Direktorin der Diakonie Berlin-Brandenburg sagt: „Kinderarmut ist die Armut der Kinder armer Erwachsener. In Deutschland leben drei Millionen Kinder und Jugendliche in Armut. Das ist eine absolut bittere Erfahrung für sie. Die Kinder und Jugendlichen werden auf dem Schulhof wegen schlechterer Kleidung gehänselt. Sie bekommen von den anstehenden Hausaufgaben nichts mit, weil das Handy für die schulische Whats-App-Gruppe fehlt. Sie können für Hausaufgaben nicht im Internet recherchieren. Die schulische Ausrüstung ist mangelhaft, weil das Schulbedarfspaket für arme Haushalte nur die Hälfte der tatsächlichen Kosten übernimmt. Diese Kinder müssen beim Mittagessen in Schule und Hort zugucken, weil die Eltern die 1 € Eigenbeteiligung nicht aufbringen können. Oder sie essen die Reste der anderen Kinder. Das ist das Gegenteil von Chancengleichheit: Kinder aus armen Familien haben größte Chancen, wieder selbst arme Familien zu gründen. Das ist ein Skandal.“
 
Die Nationale Armutskonferenz hat gemeinsam mit weiteren Verbänden einen Appell an die Parteien zur Bundestagswahl gestartet. Bisher haben über 36.000 Menschen den Aufruf unterzeichnet. Mit dem Aufruf soll Druck auf die Parteien im Bundestagswahlkampf gemacht werden.
 
Die zentralen Kritikpunkte sind:

Die Hartz IV-Sätze  sind zu gering.
Bisher erhalten Kinder aus reichen Familien durch Steuernachlässe eine bessere Förderung als arme Kinder. Darum brauchen wir ein einheitliches Existenzminimum plus bedarfsgerechte Hilfen.
Staatliche Unterstützung muss einfach gestaltet und leicht zugänglich sein.

 
Einzelpersonen können die Petition unter dem folgenden Link unterzeichnen: https://weact.campact.de/petitions/keine-ausreden-mehr-armut-von-kindern...
 
NAK-Sprecherin Eschen sagt: „Wir erwarten von den Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten der demokratischen Parteien zur Bundestagswahl, dass sie das Thema Kinderarmut ernst nehmen und endlich wirksam bekämpfen.“
 
Hintergrund:
Die Nationale Armutskonferenz ist ein Zusammenschluss aus Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und deutschlandweit tätigen Fachverbänden und Betroffeneninitiativen. Die nak hat sich 1991 gegründet und ist die deutsche Sektion des European Anti Poverty Network (EAPN).
Mehr unter www.nationale-armutskonferenz.de
 
Berlin, den 01.06.2017
 
Pressekontakt:
Nationale Armutskonferenz
c/o Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V.
Lena Högemann, Pressesprecherin
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