FSJ-Träger fordern eine bessere Finanzierung von FSJler*innen 

Der Online-Protest der Freiwilligen von AWO, DWBO und IJGD vom 4.12.2020 hat eindrücklich gezeigt, wie notwendig eine Landesförderung für das FSJ ist. In 10 von 16 Bundesländern gibt es eine solche Förderung, in Berlin ist sie überfällig.

18.03.2021

Referent Sebastian Hennig war für das DWBO am 15. März bei der Anhörung im Abgeordnetenhaus zur besseren Ausstattung von Freiwilligendiensten: "Es muss unbedingt eine Landesförderung für das FSJ geben. Die FSJler bekommen durchschnittlich 300 € im Monat für eine Vollzeit-Tätigkeit zum Beispiel im Bereich Pflege oder in der Erziehung. Es gibt kein Krankenhaus, keinen Kita-Träger in Berlin, in der nicht FSJler zum Gelingen des Arbeitsvolumens beitragen. Für andere Freiwilligenformate (z.B. Freiwilliges Ökologisches Jahr FÖJ) gibt es eine Förderung vom Land. Das ist ungerecht. Wir fordern eine unbürokratische Festbetragsfinanzierung pro FSJler*in im Dienstmonat. Sonst kann das FSJ absehbar nicht mehr in guter Qualität angeboten werden. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass Freiwillige von ihrem einjährigen sozialen Dienst existieren können. Die Vergütung ist auch ein Attraktivitätskriterium für die Bewerber*innen. Junge Menschen, die ein FSJ mit dem derzeit derart geringen Taschengeld absolvieren, können zudem künftig nur schwerlich für einen Berufsweg in der Pflege oder Erziehung in Berlin gewonnen werden."

Sebastian Hennig führte zudem aus, dass ein zentrales Anliegen des DWBO darin liege, allen jungen Menschen, unabhängig von der Herkunfts- und Bildungsbiografie, einen Platz im Freiwilligendienst zu ermöglichen. Dafür sei neben einer höheren Vergütung die pädagogische Unterstützung der Träger von richtungsweisender Bedeutung: "Es geht darum, Benachteiligungen auszugleichen und Bewerber*innen, die erkennbar keine Unterstützung beim Verfassen ihres Lebenslauf durch ihre Eltern haben oder besonders schlechte Schulnoten mitbringen, bei dem wichtigen Schritt, einen Hospitationstag zu bekommen, zu unterstützen. Auch dafür braucht es dringend eine Landesförderung", so Hennig.

>> Hier können Sie sich Stellungnahme herunterladen.

Dem DWBO ist der eingeschränkte Gestaltungsspielraum mit Blick auf den nächsten Doppelhaushalt 2022/23 bewusst. Dennoch: Es aus unserer Sicht dringend geboten und eine Frage der Glaubwürdigkeit gegenüber den FSJler*innen, eine Landesförderung im nächsten Haushalt zu verankern.

Die Anhörung war auf Antrag der Regierungsfraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Linken einberufen worden. Ülker Radzivill (SPD), stlv. Fraktionsvorsitzende und engagementpolitische Sprecherin zeigte sich sehr erfreut über die hervorragenden Beiträge. Sie wolle sich in den Haushaltsverhandlungen gemeinsam kraftvoll dafür einsetzen, das FSJ in Berlin deutlich zu verbessern und die finanziellen Bedingungen im FSJ an die anderen Freiwilligendienstformate in Berlin anzugleichen. Emine Demirbüken-Wegner (CDU), Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie, lobte ebenfalls die wertvollen Beiträge und betonte, dass die Anzuhörenden sehr gut aufgezeigt hätten, warum der Senat die finanzielle Gleichstellung von FSJ und FÖJ auf den Weg bringen müsse. Auch Susanna Kahlefeld (Bündnis 90/Die Grünen), Hendrikje Klein (Linke) und Bernd Schlömer (FDP) zeigten sich aufgeschlossen und unterstrichen, wie wichtig es sei, dass Freiwilligendienste nicht sozial exklusiv sein dürften.

Hier können Sie sich die Anhörung (Statement von Sebastian Hennig) im Abgeordnetenhaus ansehen: