DWBO-Direktorin fordert Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung für alle Betroffenen

Da gerade Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen sich oft verschulden, müssen sie einen Rechtsanspruch auf eine Schuldnerberatung bekommen. Er müsse im Sozialgesetzbuch verankert werden, fordert die Direktorin des DWBO, Barbara Eschen. Anlass ist die bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 15. bis 19. Juni 2015, an der die Diakonie beteiligt ist. Am 18.6. veranstaltet die Landesarbeitsgemeinschaft der Schuldner- und Insolvenzberatung Berlin (LAG SIB) einen Fachtag zum Thema „Trotz Arbeit pleite – Prekäre Beschäftigung und Überschuldung“. 

Karikatur Fuchs und Gans
15.06.2015

Eine aktuelle Erhebung der Landesarbeitsgemeinschaft zeigt: Bei einem Viertel ihrer Klient_innen entstanden die Schulden in Zusammenhang mit einem atypischen Arbeitsverhältnis. „Vor allem Alleinerziehende oder Familien mit Kindern können mit den erzielten Löhnen aus Zeitarbeit, befristeten oder Teilzeit-Jobs ihre Existenz nicht sicherstellen und sind auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen“, erläutert Barbara Jessel, Referentin für Grundsicherung und Arbeitsmarktpolitik beim DWBO. 

„Auch die Hartz IV-Leistungen sind nicht bedarfsdeckend und führen in die Verschuldung“, kritisiert DWBO-Direktorin Barbara Eschen. Sie plädiert dafür, die Regelleistung um mindestens 70 Euro monatlich anzuheben und einmalige Beihilfen wieder einzuführen. Die Anschaffung von Haushaltsgeräten und größere Reparaturen dürfen nicht zur Schuldenfalle werden.
Weil die Zahl der überschuldeten Berliner_innen stetig steigt – laut Creditreform Schuldenatlas waren es 2014 fast 374.000 – müssen die bezirklichen Mittel für die Schuldnerberatung von sechs auf zwölf Millionen Euro verdoppelt werden. „Schuldnerberatung rechnet sich“, erklärt Barbara Eschen. „Wenn Menschen ihre Arbeit und Wohnung behalten, spart das Sozialleistungen und sichert Sozialversicherungsbeiträge und Steuereinnahmen.“ 

„Und in Brandenburg müssen die Handlungsempfehlungen zur Qualitätssicherung der sozialen Schuldner- und Insolvenzberatung umgesetzt werden, die die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege 2014 gemeinsam mit dem Sozialministerium erarbeitet hat“, ergänzt Barbara Jessel. „Sie sind ein wichtiger Baustein, um eine gute Beratungsinfrastruktur in allen Regionen bereitzustellen.“

Die diakonischen Schuldnerberatungsstellen in Berlin und Brandenburg verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Ziel der Schuldnerberatung ist es, die finanzielle und persönliche Lebenssituation von überschuldeten Menschen nachhaltig zu verbessern. Sie befähigt die Ratsuchenden, sich zukünftig nicht mehr zu überschulden und persönliche Probleme eigenständig und selbstverantwortlich zu lösen.