Diakoniedirektorin: Überschuldete brauchen starke Beratung!

Zur deutschlandweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung vom 19. bis 23. Juni fordert die Diakonie einen Ausbau und eine Sicherung der Finanzierung dieser wichtigen Beratungsstellen in Berlin und Brandenburg.

16.06.2017

Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V., sagt zum Start der Aktionswoche: „Wir brauchen einen bedarfsgerechten Ausbau der Schuldnerberatung und eine gesicherte Finanzierung. Die rot-rot-grüne Landesregierung in Berlin hat sich zwar zu einem Ausbau der gemeinnützigen Schuldnerberatung bekannt, bisher fehlt es aber an einer Zusage der notwendigen Haushaltsmittel dafür. Das Land Brandenburg finanziert lediglich die Insolvenzberatung als einen Teil des Angebotes und stellt hierfür nur in unzureichender Höhe Mittel zur Verfügung, auch die kommunalen Mittel für Schuldnerberatung sind vielerorts längst nicht bedarfsdeckend.“

Zum Hintergrund in Berlin und Brandenburg:
Berlin hat neben Bremen bundesweit die meisten Bürgerinnen und Bürger mit Schulden. Auch wenn ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist, waren in Berlin zum Stichtag 1. Oktober 2016 rund 373.000 Erwachsene als überschuldet registriert. Die Quote beträgt damit rund 12,7 Prozent. In Brandenburg stieg die Zahl der Schuldner*innen im Jahr 2016 sogar noch an, dort gab es rund 212.500 Überschuldete. Das ist der höchste Stand seit 2008, jede*r zehnte Brandenburger*in war damit überschuldet. Die Schuldnerquote stieg auf 10,14 Prozent. Diakoniedirektorin Barbara Eschen erklärt: „Als überschuldet gilt, wer seine Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr ausgleichen kann. Zu den Hauptursachen für Überschuldung zählen Arbeitslosigkeit und längerfristiges Niedrigeinkommen, von beidem sind in unserer Region besonders viele Menschen betroffen. Überschuldete können sich nicht mehr versorgen, sind Stress und psychischem Druck ausgesetzt und häufig gesundheitlich beeinträchtigt. Materielle und immaterielle Belastungen verstärken sich gegenseitig.“

Zum Hintergrund bundesweit:
Die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände, die zu den Aktionswochen aufruft, fordert im Jahr der Bundestagswahl, eine bedarfsdeckende Existenzsicherung – nicht nur für Schuldner*innen – zu gewährleisten. Die Leistungen nach SGB II und XII müssen dringend bedarfsgerecht angepasst werden. Informationen zu den Forderungen der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände im Rahmen der diesjährigen Aktionswoche unter: www.aktionswoche-schuldnerberatung.de