„Das Richtige tun und das Falsche lassen" - Brot für die Welt legt Jahresbilanz vor

Fast 70 Millionen Menschen waren 2017 weltweit auf der Flucht vor Krieg und Konflikten. Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl um drei Millionen erhöht, hauptsächlich durch die Zuspitzung der Lage im Südsudan, in Syrien und Myanmar. Mit der Zahl der Flüchtlinge stieg auch die Zahl der Hungernden weltweit um 38 Millionen auf nun 815 Millionen Menschen an. Zuvor war die Zahl ein Jahrzehnt rückläufig.

09.08.2018

Brot für die Welt Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel sieht die Politik deshalb in der Pflicht: „Wir dürfen Entwicklungszusammenarbeit weder instrumentalisieren noch überfrachten. Schon ein Blick auf die Haupttreiber von Flucht und erzwungener Migration zeigt, dass kriegerische Konflikte, Ernährungskrisen und klimabedingte Zerstörung von Lebensgrundlagen eine nachhaltige und ressortübergreifende Politik erfordern. Das muss eine Politik sein, die auch die eigene Mitverantwortung für die Fluchtursachen wie Waffenexporte und unfaire Handelsbeziehungen anerkennt.“ Eine humane, solidarische und entwicklungsförderliche Gestaltung der Migration sei dafür von Nöten. Internationale Vereinbarungen und nicht nationale Alleingänge seien hier der Schlüssel zum Erfolg. Vorbild könnte der Verhandlungsprozess zum Pariser Klima-Abkommen sein.

Es gebe den weltweiten Trend, Entwicklungsgelder auch für sicherheitspolitische und militärische Aufgaben oder Migrationskontrolle zu nutzen - zur Verstärkung von Grenzen oder Ausbildung und Ausrüstung von Polizei und Militär. Die Hilfen würden darüber hinaus zunehmend als "Belohnung für willige Kooperation" eingesetzt und dienten nicht der nachhaltigen Entwicklung von Ländern, die die Hilfen am dringendsten bräuchten. Füllkrug-Weitzel wies darauf hin, dass die große Mehrheit der fast 70 Millionen Menschen, die 2017 weltweit auf der Flucht vor Krieg und Konflikten waren, in die armen und ärmsten Nachbarländer fliehen. Zugleich forderte sie die Politik auf, auch die eigene Mitverantwortung für die Fluchtursachen wie Waffenexporte und unfaire Handelsbeziehungen anerkennen. Es gehe darum, "nicht nur das Richtige zu tun, sondern auch das Falsche zu lassen", sagte sie.

Brot für die Welt bewilligte im Jahr 2017 680 neue Projekte mit dem regionalen Schwerpunkt Afrika. So flossen insgesamt 252,7 Millionen Euro in die Projektarbeit und kamen Menschen in über 90 Ländern zugute. Dies entspricht 91,6% der insgesamt 282,2 Millionen Euro großen Mittel von Brot für die Welt. 61,8 Millionen Euro der Gelder stammen aus Spenden und Kollekten, davon 3,3 Millionen Euro aus der EKBO. Bundesweit stiegen die Mittel aus Spenden und Kollekten um circa 50.000 Euro im Vergleich zu 2016.

Hintergrund

  • Zahl der Flüchtlinge: 
    Im Jahr 2017 waren nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) 68,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht. Gut 40 Millionen der Flüchtlinge sind Binnenvertriebene, die in ihrem Heimatland Schutz suchen. Die meisten, die Grenzen passieren, bleiben in Nachbarländern. Von den 19,9 Millionen Menschen unter UNHCR-Mandat leben 16,9 Millionen in Entwicklungsländern. 3,1 Millionen Menschen unter den 68,5 Millionen sind Asylsuchende.
     
  • Zahl der Hungernden:  
    Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO (2017) waren 2016 815 Millionen Menschen unterernährt, das bedeutet einen Anstieg um 38 Millionen Menschen gegenüber dem Vorjahr. Ursachen sind vor allem Kriege, Vertreibung und Klimaveränderungen.

Weitere Informationen zur Jahresbilanz von Brot für die Welt finden Sie unter: www.brot-fuer-die-welt.de/bilanz