Brot für die Welt: Kostbares Nass

Burkina Faso. Wasser ist in vielen Dörfern des Landes ein rares Gut: Bislang konnten viele Kleinbauernfamilien nur einmal im Jahr nach der Regenzeit Hirse oder Mais ernten. Brunnen und Rückhaltebecken ermöglichen jetzt den Anbau von Gemüse auch in der Trockenperiode.

Eine Bäuerin gießt ihr Feld mit grünen Bohnen. Das Projekt der Organisation ARFA ermöglicht den ganzjährigen Zugang zu Wasser und steht für nachhaltige Landwirtschaftsprojekte.
01.09.2017

Mit Setzlingen ist es wie mit Kindern. „Wenn sie ganz klein sind, brauchen sie am meisten Zuwendung“, sagt Bibata Kindo. Morgens um fünf Uhr, wenn die Sonne noch nicht brennt, sieht man die 27-Jährige schon mit zwei Gießkannen auf dem Feld. Ihre zweijährige Tochter hat sie auf den Rücken gebunden. Bald darauf kommt auch ihr Mann Rasmané Ronga zu Hilfe. Sie sind ein Team, im Haus und auf dem Feld. Doch das war nicht immer so. „Mein Mann musste schon zweimal in die Elfenbeinküste gehen, um dort als Plantagenarbeiter zu schuften – sonst hätten wir nichts mehr zu essen gehabt.“ Insgesamt 24 Personen leben im Haushalt des Paares: die eigenen Kinder, aber auch die Eltern und weitere Verwandte. Brunnen sorgen dafür, dass die Familie nicht nur wie bisher nach der Regenzeit ihre Hirse anbauen kann, sondern auch in der Trockenzeit Wasser für ihre Parzelle zur Verfügung hat. „Ob Zwiebeln, Kartoffeln, Mais, Tomaten: Seitdem wir Wasser haben, wächst hier alles“, freut sich die Bäuerin aus dem Dorf Rengba. Und auch die harte Arbeit am Brunnen, wo das kostbare Nass aus vielen Metern Tiefe per Eimer ans Tageslicht befördert werden muss, wird bald der Vergangenheit angehören. Neuerdings glänzen auf dem Areal Solarzellen. Sie liefern zukünftig Strom für eine Pumpe.

Regen besser nutzen
„Ob es den Menschen hier gut oder schlecht geht, hängt vor allem von einer kostbaren Ressource ab: Wasser“, sagt Mathieu Savadogo, Direktor der Association pour la Recherche et la Formation en Agro Écologie (ARFA), einer Partnerorganisation von Brot für die Welt. Burkina Faso, die ehemalige französische Kolonie Obervolta, liegt in der Sahelzone. Früher fiel in der Regenzeit genügend Niederschlag für eine akzeptable Ernte, doch nun häufen sich Klimaextreme: Überschwemmungen im Wechsel mit Dürreperioden sorgen für harte Zeiten. „Wir müssen deshalb den Regen besser nutzen“, sagt Mathieu Savadogo. „Und wir brauchen Brunnen, damit die Menschen auch in der Trockenzeit genügend Wasser zur Verfügung haben.“

Bäuerin Bibata Kindo mit ihrem Mann Rasmané Ronga bei der Feldarbeit im Dorf Rengba. Mit ihrer Tochter auf dem Rücken bewässert sie junge Zwiebeln auf einem Feld für biologischen Gemüseanbau.

Erfolg spricht sich herum
„40 Säcke Mais habe ich letztes Jahr auf meinen drei Hektar geerntet“, strahlt Abdoulaye Kirbamba aus Tiguili. Seine Frau Assetou Soma kann mit den Vorräten nicht nur den 20-köpfigen Haushalt versorgen, sondern auch das Schulgeld für die Kinder bezahlen. Eine Tochter und ein Sohn besuchen sogar das Gymnasium – für das abgelegene Dorf eine Sensation. Auch für genügend Trinkwasser ist inzwischen gesorgt: Tiguili hat dank der Hilfe von ARFA nicht nur einen neuen Brunnen. Im Hof von Assetou Soma und Abdoulaye Kirbamba steht wie in knapp 30 anderen im Dorf auch ein Regenwasserspeicher mit einem Fassungsvermögen von 14.000 Litern.

 

Gute Erträge ohne Pestizide
Im Dorf Niessega ist man schon etwas weiter. Dort wurden die Frauen im Gemüseanbau geschult. Fatimata Sawadogo ist eine von ihnen. Im Moment ernten sie und ihre Tochter Agiratu Bologo säckeweise grüne Bohnen: Umgerechnet mehr als 50 Eurocent pro Kilo bezahlen ihr die Händler aus der Hauptstadt Ouagadougou, ein guter Preis. „Letztes Jahr habe ich so viel produziert, dass ich einen Eselskarren gebraucht habe, um die Kartoffelknollen abzutransportieren“, berichtet die 40-Jährige. Kleine Kartoffeln bekam die Familie serviert, die großen verkaufte sie auf dem Markt. „Ich bin zufrieden mit dem Bio-Anbau“, sagt sie. „Pestizide machen dagegen nur krank – davon lasse ich lieber die Finger.“ Fatimata Sawadogo hat nun nicht nur genügend Gemüse, um die Familie das ganze Jahr über zu versorgen. Inzwischen muss sie den kilometerweiten Weg zu ihrem Feld auch nicht mehr zu Fuß gehen: Mit dem Profit aus den Erträgen ihrer Lebensmittel hat sie sich gerade ein Fahrrad gekauft.

Text und Fotos: Helge Bendl

Dieser Artikel ist auch erschienen in der Sommerausgabe des Verbandsmagazins "Diakonie für Sie".

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