Bahnhofsmission am Zoo: Hilfe an 365 Tagen im Jahr

Am 31.3. endete die Berliner Kältehilfe, ein Notschlafprogramm für Obdachlose in den kalten Wintermonaten. Aber: Es gibt auch ganzjährige Unterstützung für Obdachlose. So wie in der Bahnhofsmission am Zoo. 

Viele Ehrenamtliche helfen in der Bahnhofsmission, zum Beispiel in der Essensausgabe.
Viele Ehrenamtliche helfen in der Bahnhofsmission, zum Beispiel in der Essensausgabe.
31.03.2017

Jan Buhlmann ist ein regelmäßiger Gast in der Bahnhofsmission.
Jan Buhlmann ist ein regelmäßiger Gast in der Bahnhofsmission.

Jan Buhlmann setzt sich an einen der Tische in der Gaststube. Der Raum ist noch leer, eigentlich lassen sie noch niemanden rein. Im Hintergrund wuseln die Ehrenamtlichen herum und bereiten, wie jeden Tag, das Essen für die Gäste vor. Jan Buhlmann ist einer von ihnen. Er möchte gerne wieder in seinem alten Beruf als Schneider Fuß fassen oder als Tierpfleger arbeiten, das wäre ihm noch lieber. Und mit seiner Freundin möchte er zusammenziehen, sie sitzt ihm gegenüber und nippt an einem Becher Kaffee. Seine Träume sind überschaubar und doch wird es nicht einfach werden: "Einen Schritt nach dem anderen", meint er und dann erzählt er von einer Kindheit in der vieles passiert ist, aber in der das wichtigste gefehlt hat: Geborgenheit.

Vor der Tür der Bahnhofsmission des Zoologischen Gartens steht eine Menschentraube, viele davon sind Männer, die Mehrzahl ist obdachlos, einige sind "nur arm". Sie warten darauf, eingelassen zu werden: für ein warmes Essen, für ein Paar Schuhe, für Hygieneartikel, all das bekommen sie hier. Wenn sie einen Schlafsack brauchen, kriegen sie den hier auch. Und wenn sie duschen wollen, dann können sie hier auch duschen. Frische Unterwäsche? Ja! Und sie bekommen all dies mit Würde, denn sie sind Gäste in der Jebensstraße 5 und so werden sie auch behandelt, an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag, immer kann man hier herkommen und immer wird jemand da sein. Und es kommen viele: bis zu 700 Personen, jeden Tag.

Karin Fanrich ist seit 2014 mit dabei. „Mir geht es so gut und ich möchte den Menschen helfen, denen es nicht so gut geht", erzählt die Rentnerin, die zweimal in der Woche ehrenamtlich mitarbeitet. So einfach die Aussage auch klingt, so wichtig ist ihr Engagement. Kleiderspenden hatte sie vorher auch schon hergebracht: "Und dann habe ich gefragt, ob ich auch mitmachen kann". Und heute ist sie eine von 150 Freiwilligen und nochmal so vielen Praktikant_innen, ohne die der Laden nicht laufen würde. Ebenso wenig, wie ohne die vielen Spenden, die hier ankommen: Geld, Zeit, Kleidung, Lebensmittel: "Was immer fehlt ist Käse" meint lachend einer der zwölf Hauptamtlichen, der durch die Räume der Bahnhofsmission führt.

 

"Es geht nicht darum, Menschen mit der christlichen Botschaft zu erschlagen, sondern darum, sie einzuladen.“

Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission

Und dann ist da noch Dieter Puhl, seit acht Jahren leitet er die Bahnhofsmission am Zoo. Man könnte meinen, er sei der Chef, wenn er dem nicht vehement widersprechen würde: "Ich bin nicht der Chef, der Chef hängt im Gastraum am Kreuz. Und der ist dort noch nie runtergefallen". Mit Jesus hat der gelernte Sozialarbeiter und Diakon eine besondere Beziehung, das merkt man wenn er davon spricht, dass er sich wie eine Figur auf dem Schachbrett fühle und es Jesus sei, der seine Schritte führe. Dieter Puhl wählt dabei die Figur des Bauern, zieht aber wie die Königin: "Es geht nicht darum, Menschen mit der christlichen Botschaft zu erschlagen, sondern darum, sie einzuladen". Und dann erzählt er von den Besuchen von Joachim Gauck und Frank-Walter Steinmeier; davon, dass der ehemalige Außenminister und zukünftige Bundespräsident 50.000€ mitgebracht hat. Und davon, dass die Deutsche Bahn das Hygiene-Center finanziert hat. Dieter Puhl ist charmant, nahbar und direkt. Man hört seinen Geschichten gerne zu. Und wahrscheinlich erzählt man sie auch weiter.

 

Begegnung auf Augenhöhe

Bundespräsident Gauck hört aufmerksam zu als Ehrenamtliche von ihrer Arbeit erzählen
Bundespräsident Gauck hört aufmerksam zu als Ehrenamtliche von ihrer Arbeit erzählen

„Ich habe erfahren, was hier geleistet wird für Menschen, die in Not sind.“

Bundespräsident Joachim Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck besuchte die Bahnhofsmission Berlin-Zoologischer Garten. Nach seinem Gespräch mit Ehrenamtlichen und Gästen der Bahnhofsmission sagte er: „Ich habe erfahren, was hier geleistet wird für Menschen, die in Not sind. Ich hatte eine besonders bewegende Begegnung mit einem Ehrenamtlichen, der seit vielen Jahren hier aktiv ist. Für ihn ist die Jebensstraße, in der die Bahnhofsmission liegt, eine Straße der Wunder, nicht eine Straße der Probleme. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Berlinerinnen und Berliner wahrnehmen, was hier an kostbarer Hilfe geleistet wird.“

Autor: Benjamin Kummer

Spendenkonto:
Berliner Stadtmission
IBAN: DE24 1002 0500 0003 1819 07
BIC: BFSWDE33BER
Bank für Sozialwirtschaft
Verwendungszweck: Bahnhofsmission