2. Berliner Strategiekonferenz entwickelt Wohnungslosenpolitik weiter

Mit welchen Maßnahmen können wir dafür sorgen, dass wohnungslosen und von Wohnungsnot bedrohten Menschen besser geholfen wird? Um diese Frage ging es in der Konferenz. Wochenlang tagten Fachleute in neun Arbeitsgruppen, koordiniert von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales. Am 10.10. präsentierten sie ihre Ergebnisse. Die Teams setzten sich aus Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und den Berliner Bezirken zusammen. Die Ergebnisse sollen als Grundlage zur Überarbeitung der Leitlinien der Wohnungslosenpolitik dienen.

Diakoniedirektorin und nak-Sprecherin Barbara Eschen (links) diskutiert mit Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und Hermann Pfahler (Sprecher der Landesarmutskonferenz Berlin).
11.10.2018

Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) zeigte sich sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Konferenz. „Die sind umsetzbar, die sind sehr an der Realität auch ausgerichtet“, kommentierte sie. Die Ergebnisse sollen in einen Maßnahmenkatalog einfließen und daraus soll Anfang 2019 eine neue Leitlinie der Wohnungslosenpolitik entstehen.

Diakoniedirektorin und nak-Sprecherin Barbara Eschen: "Die Strategiekonferenz gegen Wohnungsnotstand hat klare Ziele und Maßnahmen gegen die dramatische Situation von Wohnungs- und Obdachlosigkeit in unserer Stadt vorgestellt. Die intensive Zusammenarbeit von verschiedenen Senatsverwaltungen, Bezirken, Wohlfahrtsverbänden und anderen Akteuren zeigt gute Ansätze. Diese müssen jetzt von Senat und Bezirken umgesetzt werden und da ist viel zu tun: die Wohnhilfen zu gut vernetzten Fachstellen in allen Bezirken ausbauen, Hilfen um Wohnraumverlust zu verhindern, Wohnungskontingente für wohnungslose Menschen, Hilfen für Obdachlose, die krank oder pflegebedürftig sind schaffen. Als Diakonie sind wir mit viel Einsatz dabei."

Die wichtigsten Vorschläge:

Prävention
Obdachlosigkeit kann am esten vorgebeugt werden, wenn Miet- oder Energieschulden vermieden werden. Dazu müsse zum einen der Prozess zur Übernahme von Mietschulden durch die Jobcenter überprüft und beschleunigt werden. Außerdem brauche es ein Frühwarnsystem, damit Behörden Mietern rechtzeitig helfen können. Bei der Vorbeugung sollte mehr auf besonders bedürftige Gruppen wie Familien, Flüchtlinge und Menschen mit Behinderung eingegangen werden.

Gesundheit
Der Zugang zum Gesundheitssystem für Wohnungslose soll verbessert werden. Für obdachlose Menschen aus Ländern der Europäischen Union (EU) müsse es eine bessere medizinische Versorgung geben.

Frauen und Familien
Zwangsräumungen von Wohnungen, in denen Kinder leben, sollen gestoppt werden, fordert die Gruppe um Birgit Münchow vom AWO Landesverband Berlin. Außerdem sollen weitere Notfalleinrichtungen insbesondere für Frauen und Familien geschaffen werden.

Junge Obdachlose
Dieser Gruppe zwischen 15 und 25 Jahren, die ohne ihre Eltern leben, soll der Weg in die Selbstständigkeit ermöglicht werden. Den jungen Menschen soll dafür zum Beispiel der Weg zur ersten eigenen Wohnung erleichtert werden.

Obdachlose aus der EU
Obdachlose aus der EU müssen ebenso Rechtsansprüche auf eine Unterbringung haben. Da die Betroffenen selbst davon keine Kenntnis haben, soll eine spezielle Anlaufstelle eingerichtet werden.

Statistik
Bisher weiß niemand, wie viele Obdachlose es in Berlin überhaupt gibt. Eine Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit der Einführung einer Statistik als bessere Grundlage für Hilfsangebote. Erfasst werden sollen nicht nur Obdachlose, sondern auch Menschen, die vom Verlust ihrer Wohnung bedroht sind. Wenn bekannt würde, wie viele alleinstehende Frauen oder Menschen mit Behinderung auf der Straße leben, könnte man die Hilfeangebote entsprechend anpassen oder ausbauen.

Ausbau der Kältehilfe
Die Platzzahl soll mit ungefähr 1.000 Plätzen wieder so hoch sein wie in der Vorsaison, in Spitzenzeiten sollen bis zu 1.200 Menschen in der Wärme unterkommen können. Jens Aldag vom sozialen Träger GEBEWO machte allerdings deutlich, dass mehr ganzjährige Angebote notwendig wären. Er warnte vor einer Überlastung der Kältehilfe: „Das ist eine totale Überforderung für die Ehrenamtlichen“, sagte er.