FASD in der Heimerziehung

Eine Pilotstudie zur Schätzung der Prävalenz.

In Deutschland wird im Bereich Pflegefamilien seit langem über FASD diskutiert. In der Heimerziehung (Unterbringung nach §§ 27 i.V.m. 34, 41 SGB VIII) ist FASD dagegen ein eher neues Thema. In Pflegefamilien (Deutschland) werden 23 FAS Fälle pro 100 vermutet (*). Für die Heimerziehung ist die Zahl unbekannt. Meta-Analysen zu FASD-Prävalenzen zeigen, dass Kinder/Jugendliche in stationären Care-Settings ein hohes FASD-Risiko haben (*). Problem ist, wenn FASD unerkannt bleibt und die Betroffenen nicht die Hilfen bekommen, die sie benötigen.

 

In einer Pilotstudie, die das Institut für Innovation und Beratung (INIB) in Kooperation mit FASD Deutschland e. V., dem ispz Hauner, dem FASD-Fachzentrum Sonnenhof e. V. sowie mit dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e. V. durchgeführt hat, wurden folgende Fragen gestellt:

  • Wird FASD in der Heimerziehung überhaupt thematisiert?
  • Wie viele FASD-Fälle sind den Einrichtungen bekannt?
  • Was sind Probleme bei der Durchführung einer Prävalenzstudie?

21 Einrichtungen mit 620 Plätzen haben zurück gemeldet, dass 35 % der Einrichtungen sich mit FASD auseinandergesetzt haben und 50 % ein wenig.

 

Diskussion und Schlussfolgerung

  • Die berichteten 4,4 FASD-Fälle pro 100 Kinder/Jugendliche liegt nur wenig über der Prävalenz alleni für FAS mit geschätzten ca. 2 Fällen pro Geburt in Deutschland.
  • Kinder mit dem Vollbild FAS werden im deutschen Hilfesystem überwiegend in der Behindertenhilfe untergebracht soweit sie nicht bei ihren Eltern aufwachsen. Fraglich ist, ob Kinder mit weniger gravierenden Ausprägungen von FASD tatsächlich in so geringer Zahl in der Heimerziehung untergebracht sind.
  • Der deutliche Zusammenhang zwischen Auseinandersetzungsgrad mit FASD und berichteten Fallzahlen lässt eine Dunkelziffer vermuten. Zumal Alkohol und Drogen in Familien von Heimerziehungskindern oft eine Rolle spielen und das Risiko einer Alkoholexposition wärhend der Schwangerschaft hoch ist.
  • Nutzen und Machbarkeit einer Prävalenzstudie bewerteten die Einrichtungsleitungen gegensätzlich. Zahlenmaterial zu gewinnen sei zwar wichtig, hätte aber letztendlich wenig Nutzen für die Einrichtungen bzw. die Kinder/Jugendlichen. Kritisiert wird: Eine Studie bringe viel Unruhe in die Einrichtungen. Es bestehe die Gefahr von Stigmatisierung. Das Einverständnis zur Teilnahme sei nur schwer zu bekommen.
  • Es wird die Schlussfolgerung gezogen, den Start der Prävalenzstudie zu verschieben und sich auf die Verbreitung von Information zu FASD zu konzentrieren, Weiterbildungen anzubieten und Rahmenbedingungen für die Betreuung von Kindern mit FASD zu verbessern.

Die Ergebnisse der Studie (Plakat) können Sie hier herunterladen.

*) Quellen: siehe Studie

 

Ein Film von FASD-Deutschland, der über die Auswirkungen von FASD im Alltag informiert:

 

 

Weitere Filme finden Sie auf dem YouTube-Kanal von FASD-Deutschland e. V.