Diakonie auf Facebook

Top-News
Gute Pflege braucht gute Rahmenbedingungen - Diakonie und Caritas fordern bessere Finanzierung der Pflege Gute Pflege braucht gute Rahmenbedingungen - Diakonie und Caritas fordern bessere Finanzierung der Pflege

Gute Pflege braucht gute Rahmenbedingungen - Diakonie und Caritas fordern bessere Finanzierung der Pflege Berlin - Anlässlich des Internationalen Tages der Pflegenden am 12. Mai, setzen sich das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und der Caritasverband für das Erzbistum Berlin für qualifizierte und gut bezahlte Pflegekräfte ein. mehr…

Diakonie-Haus- und Straßensammlung vom 12. bis 28. Mai 2012 Diakonie-Haus- und Straßensammlung vom 12. bis 28. Mai 2012

Diakonie-Haus- und Straßensammlung vom 12. bis 28. Mai 2012 Die evangelischen Kirchengemeinden und Regionalen Diakonischen Werke in Berlin und Brandenburg werden in diesem Jahr vom 12. bis 28. Mai 2012 die Diakonie-Haus- und Straßensammlung durchführen. mehr…

Einladung zum Sommerfest der Diakonie am 24. August 2012 Einladung zum Sommerfest der Diakonie am 24. August 2012

Einladung zum Sommerfest der Diakonie am 24. August 2012 Sie sind herzlich eingeladen zum 2. Sommerfest der Diakonie zugunsten diakonischer Ehrenamtsprojekte am 24. August 2012 um 19.00 Uhr in die Landesvertretung Niedersachsens beim Bund, In den Ministergärten 10, 10117 Berlin. mehr…

 
Benutzerspezifische Werkzeuge

Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen
zurück
vor
Brot für die Welt - DWBO.

Die indigenen Völker des Chaco leben vom Jagen und Fischen, vom Früchte- und Honigsammeln im Wald.

Brot für die Welt - DWBO.

Vorlesen

Mutig gegen den Landraub.

Im argentinischen Chaco machen skrupellose Vertreter des Agrobusiness den indigenen Völkern ihr Land streitig. Mit Hilfe moderner Geoinformationssysteme und engagierter Lobbyarbeit verhilft ASOCIANA den Indigenen zu ihrem Recht.

Es zieht wie Hechtsuppe. Um dem Fotografen bessere Sicht zu verschaffen, hat der Pilot vor dem Start die Tür des Kleinflugzeugs ausgebaut. Nun sind die vier Insassen der Cessna froh über ihre Jacken. Denn trotz der brütenden Hitze, die einige hundert Meter tiefer in den Weiten des argentinischen Chaco herrscht, ist es kühl hier oben.

„Da! Da rechts! Halt drauf!“, ruft Ana Alvarez dem Fotografen von der Rückbank aus zu. Der reagiert sofort, zoomt lodernde Flammen und verbrannte Mondlandschaft heran, drückt ab. Zeitgleich hält Alvarez die Koordinaten der Orte fest, an denen illegal brandgerodet wird. Wieder und wieder muss sie das gelbe, handygroße GPS-Gerät betätigen. Manchmal klingen ihre aufgeregten Anweisungen verzweifelt angesichts der zerstörerischen Brände, die den Urwald des Chaco fressen. Ein andermal schwingt Genugtuung mit, darüber, dass sie nun mit Fotos und kartographischen Daten dokumentieren kann, wo und wann die Großgrundbesitzer wieder einmal geltende Gesetze missachten.

Ana Alvarez ist Projektkoordinatorin des „Brot für die Welt“-Partners ASOCIANA, einer Organisation der Anglikanischen Kirche, die sich für die Rechte der indigenen Völker des Chaco einsetzt. Sie erklärt das Prinzip der Zerstörung: „Es ist einfach: Sie roden mit schweren Maschinen, holen alle wertvollen Hölzer aus dem Wald und verarbeiten minderwertige zu Kohle.“ Alles Übrige scharren Bulldozer zu großen Haufen zusammen, Feuer erledigen den Rest. So wird Platz für Monokulturen wie Soja, Zuckerrohr oder die ölhaltige Färberdistel geschaffen – Erzeugnisse, die in den Industrieländern begehrt sind und satte Gewinne versprechen. Allein in der Provinz Salta wurde im Jahr 2010 auf 637.000 Hektar Land Soja angebaut. Dies entspricht zweieinhalb Mal der Fläche des Saarlandes. Der Löwenanteil der Produktion geht nach China, aber auch Europa ist ein guter Abnehmer. Hier landet Soja als Futtermittel in den Trögen von Schweinen und Rindern – während im argentinischen Chaco jene hungern, denen das Land eigentlich gehört: die indigene Bevölkerung.

Tiere und Pflanzen sind rar geworden.
Hektar um Hektar fressen sich die Maschinen der Großgrundbesitzer in den Chaco, einen der artenreichsten Lebensräume der Erde. Er umspannt ein Gebiet etwa fünf Mal so groß wie Deutschland, das sich über den Norden von Argentinien, den westlichen Teil von Paraguay und den Südosten von Bolivien erstreckt. Im Norden Argentiniens sind Wichi, Toba, Guaraní und andere indigene Völker gemäß Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation ILO die rechtmäßigen Besitzer des Waldes. Doch das kümmert die Herren des Agrobusiness nicht. Welche Folgen die Rodung riesiger Flächen für die Urbevölkerung hat, wird kurz darauf sichtbar: Fast vollständig von ockerfarbenen Feldern umschlossen, tauchen plötzlich zwischen lockerem Baumbewuchs ein paar versprengte Hütten auf. Der Name der kleinen Siedlung „La Esperanza“ („Die Hoffnung“) klingt wie Hohn. In dem wenigen verbliebenen Trockenwald sind jene Tiere und Pflanzen rar geworden, welche die Urbevölkerung des Landes jahrtausendelang ernährt haben.

Zusammen mit den kartographierten GPS-Daten will ASOCIANA die Luftaufnahmen für einen Bericht an das Umweltministerium der Provinz Salta nutzen. Darin sollen die Verstöße gegen eine einstweilige Verfügung aus dem Jahr 2008 belegt werden. Sie verbietet jegliche Rodung in der Region. Eine Kopie wird der Oberste Gerichtshof erhalten, der damals auf die Verfügung drang – seinerzeit ein großer Erfolg der Arbeit von ASOCIANA.

Kein Respekt vor den Toten.
Tags zuvor im benachbarten Dorf Cuchuy: Das Wort Apathie beschreibt wohl am ehesten die Stimmung der Menschen dieser 30-Seelen-Gemeinde. Vor einer der Hütten, einer Holzkonstruktion mit Plastikplane darüber, sagt José Chaile niedergeschlagen: „Ich bin heute früh zum Jagen gegangen, drei Stunden lang. Nichts, rein gar nichts habe ich gefangen.“
Eine Woche zuvor hat José seinen Vater beerdigt. Der hagere Mann führt die Mitarbeitenden von ASOCIANA auf eine riesige, plattgewalzte Brache in der Nähe des Dorfes. Ein schmuckloser Erdhügel wölbt sich aus der trockenen Erde, darauf eine Plastikflasche mit Wasser als Grabbeigabe. Davor sind Spuren von Kettenrädern zu sehen. Die Bulldozer der Großgrundbesitzer machen selbst vor einem Friedhof nicht halt. Sie zerstören den Wald, in dem die Menschen einst Nabelschweine, Spießhirsche, Gürteltiere, Vögel und viele andere Tiere jagten. Wo sie Früchte, Wurzeln und Honig sammelten. Die verbliebene Waldfläche ernährt die Menschen nicht mehr. José Chailes Vater ist verhungert und verdurstet.

Kaum staatliche Hilfe.

Staatliche Unterstützung bekommt kaum jemand aus dem Dorf. Denn: Wer keine Papiere hat, den gibt es für die Behörden nicht. „Eine Geburtsurkunde besitzt hier fast niemand.“ Claudia Lungu arbeitet als Diplom-Sozialarbeiterin bei ASOCIANA und ist für die Dörfer in der Region Tartagal zuständig. Sie hilft den Wichi dabei, ihre Papiere zu bekommen. Nur so haben sie Anspruch auf die Mindestrente oder die 300 Pesos Kindergeld im Monat – etwa 60 Euro. Außerdem will Claudia Lungu nochmals bei den Behörden vorsprechen, damit die Wichi-Gemeinden endlich mit Trinkwasser beliefert werden. Durch die massive Abholzung ist das ökologische Gleichgewicht gestört. Quellen versiegen, der Grundwasserspiegel sinkt. Teure Bohrungen können sich die Indigenen nicht leisten. Beim Verlassen des Dorfes lässt Verwesungsgeruch den Atem stocken. Er stammt von einem Rinderkadaver neben einem Tümpel, der eine bräunliche Brühe enthält. Die Einwohner von Cuchuy trinken daraus.

Zwei Welten stoßen aufeinander.

Als wäre der Kampf gegen das Agrobusiness nicht schwer genug, müssen sich die indigenen Völker im Chaco auch noch mit den Nachkommen der europäischen Einwanderer auseinandersetzen, die heute als Kleinbauern im Chaco leben. Die „Criollos“ haben insbesondere im Landkreis Rivadavia entlang des Pilcomayo-Flusses viele Gehöfte. Hier treffen zwei Welten aufeinander: Die indigenen Völker des Chaco leben vom Jagen und Fischen, vom Früchte- und Honigsammeln im Wald. Die Kleinbauern hingegen betreiben extensive Viehzucht. Sie lassen ihre Rinder, Ziegen und Schafe frei herumlaufen. Die dringen in die Wälder ein und fressen Früchte und Baumschößlinge – die Lebensgrundlage der Indigenen. Keine guten Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben.

Bereits im Jahr 2001 nahm ASOCIANA daher Kontakt mit FUNDAPAZ auf, einem weiteren Partner von „Brot für die Welt“. Er berät die Kleinbauernfamilien am Pilcomayo. Man einigte sich darauf, gemeinsam bei der Provinzregierung die Vergabe von Landtiteln einzufordern. Zunächst sollte jedoch geklärt werden, wer das Land wie nutzt. Dazu lernten die Wichis, Chorote, Toba und Nivaclé, mit einem GPS-Gerät die Koordinaten tausender Honigsammelstellen, Fisch- und Jagdgründe festzuhalten. Und die Kleinbauern kartographierten jene Waldgebiete und Wasserstellen, die sie bis dahin für ihr Vieh in Anspruch genommen hatten. Nun konnten Indigene und Kleinbauern genau sehen, welche Teile des 643.000 Hektar großen Gebietes sie jeweils benötigen. Die Indigenen, die rechtmäßigen Besitzer des Landes, erklärten sich bereit, den Kleinbauern über ein Drittel des Landes zur Verfügung zu stellen, allerdings unter der Auflage, dass diese ihre Tiere nicht mehr frei laufen lassen und ihre Weiden einzäunen. Außerhalb der künftigen Siedlungsinseln der Kleinbauern wollen die indigenen Gemeinden ihren Wald selbst nutzen und erhalten.

Friedliche Einigung in Sicht.
Das gemeinsame Vorgehen gegenüber der Provinzregierung hatte Erfolg: Vom Gouverneur wurde ein Dekret unterzeichnet, in dem die Übergabe des beanspruchten Landes an die indigenen Gemeinden und die Kleinbauern angekündigt wird. Eine friedliche Lösung des Landkonflikts am Pilcomayo scheint greifbar nah. Dank der engagierten Arbeit von ASOCIANA besteht Hoffnung, dass irgendwann statt verbrannter Erde wieder das satte Grün des Waldes die Weiten des Chaco prägen wird.

Ingvild Mathe-Anglas (Fotos: Florian Kopp )

 

Projektträger: Acompañamiento Social de la Iglesia Anglicana del Argentina (ASOCIANA)
Finanzierung „BROT FÜR DIE WELT“ (drei Jahre):
€ 245.268,-

WAS KOSTET WIE VIEL?
Farbdruck einer Satellitenkarte in DIN A2: € 10,-
Kosten für eine Busfahrt nach Salta (zu Verhandlungen mit der Provinzregierung): € 20,-
Druck von 200 Broschüren zum Thema Landrecht:
€ 100,-

 

Seite: 11391