DWBO fordert: Abgeordnetenhaus muss über Pflegekammer entscheiden - Befragung zeigt fehlende Mehrheit in der Altenpflege

Die Befragung zur Pflegekammer in Berlin hat zwar eine knappe Mehrheit für die Errichtung einer Kammer erbracht, nach Einschätzung des Diakonischen Werks handelt es sich aber um ein „Ergebnis mit Schönheitsfehlern“. Daher müsse das Abgeordnetenhaus nun überlegen, ob es als Gesetzgeber aktiv werden wolle oder nicht – einen klaren Auftrag kann man aus der Befragung nach Meinung von Diakonievorstand Martin Matz nicht ableiten.

15.04.2015

Die Zustimmungsquote von insgesamt 58,8 % kam nur aufgrund einer breiten Zustimmung der Pflegekräfte in Krankenhäusern zustande – dort gab es eine Zweidrittelmehrheit. Altenpflegefachkräfte stimmten jedoch nur mit 49,8% zu. Besonders gering war die Rate bei den Fachkräften in der ambulanten Pflege: Hier waren es nur 46,6%. Das Ergebnis in der Altenpflege hat jedoch noch einen besonderen „Schönheitsfehler“: Etwa die Hälfte der Beschäftigten sind, anders als in den Krankenhäusern, keine examinierten Fachkräfte, sondern Pflegehilfskräfte. Sie wurden jedoch gar nicht in die Befragung mit einbezogen, da sie auch nicht Kammermitglied werden sollen. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass sie mehrheitlich gegen die Kammer gestimmt hätten, die den „Abstand“ zwischen Fach- und Hilfskräften weiter vertiefen würde.

Etwa jeder zehnte Befürworter einer Pflegekammer verband seine Zustimmung mit einer Beitragsfreiheit. Pflichtbeiträge werden bei der Pflichtmitgliedschaft jedoch erforderlich sein.

Das Diakonische Werk hatte frühzeitig zusammen mit den anderen Verbänden der freien Wohlfahrtspflege und der Gewerkschaft Ver.di vor enttäuschten Hoffnungen im Zusammenhang mit einer Pflegekammer gewarnt. Diakonievorstand Martin Matz sagt dazu: „Eine Kammer kann zwar in Fragen der Weiterbildung und der Berufsordnung sinnvolle Ergebnisse bringen. Die Hoffnungen der Pflegekräfte sind jedoch auf eine Verbesserung der Lobbyarbeit für die Pflege gerichtet – da wird sich wenig tun. Wer glaubt, dass die größere Wirkungsmacht des Ärzteberufs mit deren Verkammerung zu tun hat, der irrt. Wir fürchten daher eine Katerstimmung nach Einführung der Pflegekammer: Vielleicht würde sie nicht schaden, aber sie würde kaum Messbares bringen und Ressourcen binden.“

Weitere Zahlen und Materialien zum Thema sind bei der Pressestelle des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz erhältlich (Berechnung der o.g. Prozentzahlen aus der Befragung, Stellungnahme der LIGA der Wohlfahrtsverbände sowie eine Präsentation zu den Erfahrungen mit Befragungen in ausgewählten Bundesländern).