Bilanz Berliner Kältehilfe der 25. Saison: „Situation in der Hauptstadt spitzt sich immer mehr zu“

Die Berliner Kältehilfe wird immer mehr zum Seismograph für soziale Nöte aller Art. In der 25. Saison hat sich die Zahl der Not-Übernachtungen um zwölf Prozent erhöht. In absoluten Zahlen heißt das: von November 2014 bis März 2015 wurden trotz des milden Winters fast 82.000 Übernachtungen gezählt. Das ist ein viermal so hoher Anstieg wie im vergangenen Jahr und eine dauerhafte Auslastung über 100 Prozent. 

30.03.2015

 

Journalistinnen und Journalisten auf der Pressekonferenz Abschluss Kältehilfe 2015.
Die Pressekonferenz in der Berliner Stadtmission war gut besucht.

Zudem bringen immer mehr kranke und pflegebedürftige Obdachlose, Familien mit Kindern und EU-Zuwanderer die Kältehilfe an räumliche und personelle Grenzen. Ein aktuelles Problem sind auch Flüchtlinge, die aufgrund der Schließzeiten der Landesbehörden, besonders am Wochenende, Übernachtungsmöglichkeiten benötigen. 

Ein neuer Rekord sind die Übernachtungs- zahlen. Mehr als 40.000 Übernachtungen (Stand 23. März 2015) hat allein die Berliner Stadtmission bewältigt (im Vorjahr 33.000). Hier gab es zeitweise eine Auslastung von 200 Prozent (!).  Der Kältebus der Berliner Stadtmission war in diesem Jahr in seiner 20. Saison unterwegs und auch der Wärmebus des DRK wurde rege frequentiert. Das Kältetelefon in Trägerschaft der Gebewo Soziale Dienste gGmbH, das freie Schlafplätze kommuniziert, ist nicht mehr wegzudenken aus der Berliner Kältehilfe.

Podium der Pressekonferenz am 30.03.2015.
Podium v.l.n.r.: Barbara Eschen (Direktorin des DWBO), Ulrike Kostka (Direktorin Caritas), Svetlana Krasovski (Berliner Stadtmission) u. Johannfried Seitz-Reimann, Leitung Kältehilfetelefon der GEBEWO.
Die 25. Saison hatte es also in sich. Und noch nie haben so viele Menschen Schutz und Wärme in den Angeboten der Kältehilfe gesucht wie in den vergangenen Monaten. Das Positive an unserer Bilanz: Auch in diesem Winter ist es gelungen, Menschen vor dem Kältetod zu bewahren. 

Diakoniedirektorin Barbara Eschen im Interview mit dem RBB.
Diakoniedirektorin Barbara Eschen im Interview mit dem rbb.
Statement von Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V.:

„Die Kältehilfe ist ein beeindruckendes Hilfenetz. Ich danke allen hier mit viel Einsatz engagierten Mitarbeitenden sehr. Aber wir dürfen die Kältehilfe nicht überstrapazieren. Gerade für Menschen mit erhöhtem Assistenzbedarf bedarf es einer notwendigen räumlichen, materiellen und personellen Ausstattung. Wir fordern Senat und Bezirke auf, zusätzliche Schlafplätze für kranke obdachlose Menschen zu schaffen. Der finanzielle Mehrbedarf hält sich in Grenzen. Ein entsprechendes Konzept liegt uns vor.“ 

Statement von Prof. Dr. Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin e.V.:

„Berlin braucht Konzepte, um mit der Flüchtlingsproblematik und mit dem immer stärkeren Zustrom aus den EU-Staaten umzugehen. Die bestehenden Hilfeangebote sind für diesen Personenkreis zu öffnen. Spezielle Angebote wie beratende Hilfen in den Herkunftssprachen sind zu schaffen und zu fördern. All dies darf finanziell nicht zulasten bestehender Hilfsprojekte gehen. Eine Stadt mit erheblichem Zuzug und wachsender sozialer Not hat in einem solchen Bereich auch einen höheren Finanzbedarf!“

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