Mit großer Betroffenheit hat das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO) die als persönlich bezeichnete Erklärung des Präsidenten des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Jürgen Gohde, zur Kenntnis genommen.
In der Erklärung, die unter anderem gemeinsam mit Vertretern des Städte- und Landkreistages sowie dem Deutschen Roten Kreuz und der Arbeiterwohlfahrt herausgegeben worden ist, wird u.a. gefordert, die passiven Leistungen für Hartz IV-Empfänger zu senken und die Inanspruchnahme von Sozialleistungen zurückzuführen. Wir distanzieren uns insbesondere von inhaltlichen Aussagen und Bewertungen, die den vorgenannten Zusammenhang betreffen.
Solche Aussagen zeichnen ein Bild der LeistungsempfängerInnen, das in keiner Weise den Erfahrungen entspricht, die wir als beratende und handelnde Diakonie in unserem Einzugsbereich machen. Wir brauchen konkret eine Optimierung der Arbeit der Bundesagentur und der Optionskommunen, wir brauchen eine Öffnung des Arbeitsmarktes durch einen wirtschaftlichen Aufschwung, wir brauchen einen auf Dauer angelegten zweiten Arbeitsmarkt für all die Menschen, die auch bei veränderter Arbeitsmarktlage keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt finden werden. Und wir fordern bundesweit die Erhöhung der Regelleistungen im SGB II sowie der Regelsätze im SGB XII um zumindest 15%. Ein Leben zu führen, das in unserem Gemeinwesen nicht zur Ausgrenzung führt, sondern der Würde des Menschen entspricht und eine aktiven Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft ermöglicht, hängt auch davon ab, wie viel Geld den Menschen tatsächlich zur Verfügung steht.
Wir halten die in der Erklärung vertretenen Positionen nicht für geeignet, in der Öffentlichkeit die massiven Probleme der Armutsbevölkerung in unserem Land zu vertreten. Im Gegenteil distanzieren sich diese Positionen von den Menschen, die sich uns anvertrauen und die auf die Kirche setzen. Der Auftrag der Diakonie ist es jedoch, sozialanwaltschaftlich für die Menschen da zu sein, die ihre Hilfe brauchen.
Susanne Kahl-Passoth,
Direktorin DWBO,
19.05.2006









